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... hilfe bei der anwendung des buches "kognitive verhaltenstherapie bei körperdysmorpher störung"

Moderator: Dipl.-Psych. S.Brunhoeber

Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
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Beitrag von Dipl.-Psych. S.Brunhoeber » Sa Aug 01, 2009 2:57 pm

Ich bin zur Zeit auf Jobsuche und dabei geht es um Jobs mit Kundenkontakt. Nun hatte ich immer in meinem Kopf, dass es ja kein Problem sei, wenn ich ein langärmliges Hemd trage und auch sie hatten ja darauf hingewiesen.

Hängt ja immer auch vom Kundenkontakt ab. Als Eisverkäufer, als Verkäufer in einem Modeladen usw. ist das ja meines Erachtens alles kein Problem. Lediglich bei Jobs im Finanz- oder Immobiliensektor wäre es evtl. nicht ganz so glücklich. Aber auch da ist nicht das Problem ein Tattoo zu haben, sondern es ist eher nicht schicklich es zu zeigen. Und Sie verdecken es ja.

Um nun mit dem Rückfall umzugehen ist es das Beste mit Expositionsübungen weiter zu machen. Dabei wieder immer auf die Reaktionen der anderen schauen, dann werden Sie bemerken, dass Ihnen das Tattoo wichtiger ist als den anderen.

Es ist wie ein Rennfahrer. Wenn der einen Unfall gebaut hat, sollte er sich sobald wie möglich wieder ins Auto setzen, um nicht die Angst zu groß werden zu lassen. Und natürlich kann wieder ein Unfall passieren. Mit diesem Risiko muss man einfach leben, ansonsten muss man den Job an den Nagel hängen und was anderes machen.
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dropkick
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Beitrag von dropkick » Mo Aug 03, 2009 4:48 pm

Hallo Herr Brunhoeber,

erneut vielen Dank für Ihre Antwort.

Es handelt sich bei diesem Job um eine Tätigkeit im Medienbereich mit Kundenkontakt. Ich glaube, es würde mich einfach auch ein bißchen beruhigen, wenn ich wissen bzw. sehen würde, wenn dort auch jemand ein Tattoo hat und auch aufgrund der von Ihnen hier eingetragenen Statistik ist die Wahrscheinlichkeit ja gar nicht so gering.

Die Expositionsübungen werde ich so gut es geht weiter fortsetzen und ich merke, dass ich meine negativen Gedanken immer wieder kritisch hinterfrage und nicht einfach schädlich laufen lasse. Natürlich gelingt mir das nicht immer und die Gedanken an mein Tattoo sind nach wie vor stark präsent.

Meinen Sie, dass alleine durch die Expositionsübungen und das Hinterfragen der negativen Gedanken ein gutes Ergebnis bezüglich meiner Problematik erzielt werden kann?

Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
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Beitrag von Dipl.-Psych. S.Brunhoeber » Mo Aug 03, 2009 7:10 pm

Meinen Sie, dass alleine durch die Expositionsübungen und das Hinterfragen der negativen Gedanken ein gutes Ergebnis bezüglich meiner Problematik erzielt werden kann?

Mir den Expositionsübungen werden Sie schon sehr weit kommen, wenn Sie sie ausreichend intensiv machen.
Generell habe ich jedoch bei Ihnen die Phantasie das Sie im Allgemeinen Schwierigkeiten bzw. Angst vor Kritik und Auseinandersetungen haben. Falls das so wäre, wäre dies sicherlich eine weitere Baustelle, denn Sie werden es nie allen recht machen können. Damit es einem gut geht muss man für sich eintreten können und auch auf die Meinung anderer schei... können.
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Sternentanz
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Beitrag von Sternentanz » Fr Aug 07, 2009 2:49 pm

Ich mag Herr. Dr. Brunhoebers art zu schreiben. *g. er drückt auch mal die Worte so aus wie sie fallen...
macht sonst so schnell keiner. Hut ab! :)

dropkick
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Beitrag von dropkick » Fr Sep 25, 2009 11:47 am

Sehr geehrter Herr Brunhoeber,

nach ein paar Wochen melde ich mich mal wieder zurück und möchte mich nochmal für Ihre Hilfe bedanken.

Stück für Stück kann ich die mit dem Tattoo verbundenen Ängste lösen, mache mir weniger Sorgen, was andere Leute denken könnten und sehe dieses Merkmal nicht mehr als eine so große Blockade an, wie ich sie noch vor vielen Wochen gesehen habe.

Jedoch habe ich auch weiter einige Baustellen und ich merke, dass ich nun zunehmend den Blick frei habe auf das eigentlich Tattoo und dessen Gestaltung. Natürlich beschäftige ich mich nach wie vor mit diesem, obwohl es bei mir nun weniger Ängste auslöst. Ich merke nun immer mehr, welche Stellen mir nicht gefallen und überlege nun, ein paar Leute nach Ihrer Meinung diesbezüglich zu fragen und zu überlegen, wie man gewisse Stellen ausbessern kann. Natürlich erhoffe ich mir dabei auch positive Meinungen über das Tattoo in seinem jetzigen Zustand.

Was meinen Sie dazu? Ist der Schritt falsch oder kann er in die richtige Richtung führen?

Vielen Dank im Voraus.

Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
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Beitrag von Dipl.-Psych. S.Brunhoeber » Sa Sep 26, 2009 5:54 am

Hallo Dropkick,

ich glaube das es Ihnen nicht helfen wird darüber nachzudenken. Das hört sich für mich an als ob Sie das Tattoo so gestalten möchten, dass niemand mehr Anstoß daran nehmen kann, weil es gut/harmonisch oder was auch immer aussieht. Sie versuchen Sicherheit darüber zu bekommen, dass ja kein Makel zu sehen ist. Das ist wieder Perfektionismus und den können Sie bis ins unendliche führen, aber richtige Sicherheit bekommen Sie dadurch nie. Meines Erachtens sind es vor allem vier Dinge mit der Sie Ihr Problem überwinden können:

1. Lernen sich zur Wehr zu setzen, wenn irgend jemand etwas Blödes über Ihr Tattoo sagt oder ihm es nicht gefällt (anstelle sich passiv durch Perfektionismus hiervor zu schützen).
2. Akzeptieren, dass Sie es nie allen recht machen können und das das keine Katastrophe ist, da noch genug Menschen übrig bleiben, die Sie so mögen und akzeptieren wie Sie sind.
3. Lernen das Gefühl auszuhalten anstelle es wegmachen zu wollen (Nicht das Tattoo ist Ihr Problem sondern Ihre Gefühle)
4. Sich darüber bewusst werden, was Sie als Menschen ausmacht, was Ihre Kompetenzen sind, was Sie anderen zu bieten haben usw. (damit Sie sich darüber klar sind, warum andere Menschen Sie schätzen und das da ein Tattoo nichts daran kaputt machen kann, da das andere eben das Wichtige ist.

Viele Grüße

Stefan Brunhoeber
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