Zu kleiner Kopf/ Gesicht - als alles begann

... hier gibt es alles zum thema "dysmorphophobie"

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Frank
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Zu kleiner Kopf/ Gesicht - als alles begann

Beitrag von Frank » Fr Nov 19, 2004 3:23 pm

Hallo Leute,

erstens einmal muß auch ich sagen daß ich sehr froh bin zu diesem Forum gefunden zu haben und überhaupt von der Krankheit erfahren zu haben...


Ich habe so viele Fragen obwohl ich schon so viel hier gelesen habe was auch exakt auf mich zutrifft (Besonders das Spiegel/ Foto/ Video Syndrom).

alles fing damals mit 13 Jahren an, nachdem ich sehr schlechte Erfahrungen in einer Jugendherberge machen musste (Hänseleien, Missachtung). Ich weis noch genau den Moment als ich in den Spiegel sah und auf einmal merkte wie komisch anders ich eigendlich aussehe... aber das hat sich durch so viele "kleine" Dinge immer mehr wie ein Wollkneul verworren, es kam immer mehr schlechte Erfahrungen (vielleicht auch nur eingebildet) dazu. Klar, ich sehe vielleicht nicht sonderlich gut aus und war nie so richtig beliebt bei Mädchen, aber das was sich jetzt daraus entwickelt hat macht mich immer kränker und behindert mich in fast jeder Lebenssituation.

Meine Hässlichkeit hat sich mittlerweile so fest eingebrannt daß ich schon gar nicht mehr richtig in den Spiegel schauen kann und wenn dann nur unter extremsten Anstrengungen. Denn mittlerweile sehe ich nur noch eine seltsame Fratze, mir wird wirklich schlecht und immer ganz komisch daß ich entweder sofort heiß duschen gehen muß oder ins Bett.

Ich glaube mittlerweile bin ich in eine Spirale geraten die mich von Tag zu Tag tiefer zieht, anfangs waren es nur ein paar Situationen im Monat an denen ich mich z.B. auf Fotos total schrecklich fand und regelrecht erschrak. Doch jetzt vergehen keine 2 Minuten mehr am Tag an denen ich nicht in irgendeiner Art u. Weise daran Denke.

Mittlerweile habe ich regelrecht Angst in einen anderen Raum mit anderen Menschen zu gehen, ich war seit 5 Jahren nicht mehr länger als 3 Minuten in der Innenstadt.

Mal zu meiner Wahrnehmung (oder ist es Wirklich so ?!?!?):

Ich habe den kleinsten Kopf der Welt, es gibt wirklich niemanden in meinem Alter der einen so kleinen Kopf und damit auch ein sehr schmales und unaussagekräftiges, hässliches Gesicht hat.

Hinzu kommen meine Augenbrauen die sowas von mies nach unten gebogen sind und nah beianander stehen das mir jedesmal schlecht wird.

Alle die ich kenne und gefragt habe halten mich für wirklich gestört, können nichts schlechtes erkennen, aber wenn ich es nicht selber mit meinen Eigenen Augen im Spiegel sehen würde würd ich es ja auch nicht glauben!

Doch was das ganze so schlimm macht: auf einem Foto oder auf Video bin nicht ich zu sehen! Das kann ich nicht sein, der Kerl sieht ganz anders aus, wo sind all die Merkmale die ich eben noch im Spiegel sah hin??? Auf dem Video gefalle ich mir sogar teilweise, das hält aber nicht lange an weil ich mir sofort wieder einrede das das jetzt hässlich ist und plötzlich ist es das auch wieder.

Ich habe mal einen Fernseher neben einen Spiegel gestellt und eine Kamera angeschlossen, dann das Spiegelbild angesehen und direkt in den Fernseher geschaut - das darf nicht wahr sein was für ein Unterschied!
Und wenn ich das Spiegelbild filme ist es auch wieder ganz anders!

Bei mir ist es mit Fotos ganz komisch. wenn ich 10 Fotos mache oder besser ein Fremder macht sie dann sehe ich auf 5 wirklich einigermaßen akzeptabel aus, nicht unbedingt hübsch oder süß aber für mein Empfinden
ganz ok, auf den anderen 5 sehe ich einen Kerl der irgendwie gerade aus der Klapse entsprungen sein könnte mit einem Blick als ob ich gerade bewusst ne Grimasse schneiden würde...

Hinzu kommen die unzähligen Situationen draussen - mal ein Tag der irgendwie ganz toll ist, keiner lacht, niemand behandelt einen schlecht und man denkt beinahe schon "was hab ich eigentlich",

und dann die schlechten Tage, man begegnet Mädchen die plötzlich anfangen zu kichern und zu lachen, Gruppen die einem schweigend gegenüber stehen und einen verachten, Leute die mit mir gestern noch feundlich gesprochen haben schauen mich plötzlich mit dem Arsch nicht mehr an... Vielleicht sehe ich heute 10x schlechter aus als gestern ?!?

und da ist wieder das Gefühl:

Alle wissen das ich nicht zu ihnen gehöre und schlecht aussehe, jeder weis es, sogar Kinder und Leute die mich nie zuvor gesehen haben wissen sofort: das ist der hässliche Kerl, hihi. Als ob alles geplant sei und genau bestimmt sei was passiert oder

vielmehr was mir nie passieren wird und mir irgendwie vorenthalten wird,

neue Freunde kennenlernen, eine Beziehung aufbauen, das alles geht nicht, so ist es aussichtslos.

Es gibt keine Stellen an denen ich mich nicht versuche dauernd zu kontrollieren, ständig kreisen meine Gedanken ungf so:

Hmm, da vorne stehen 3 Mädchen, oh gott gleich bin ich in Sichtweite, schnell auf die andere Seite, mist, wenn ich gleich in den Laden gehe dann warten schon alle auf den hässlichen und ziehen schon schnell mal ihre schlechte Miene auf und verachten mich sowieso, bla bla bla.

Es wird immer schlimmer, ich glaube ich bin ganz tief gesunken und komme alleine nicht mehr heraus. Bitte helft mir, wem geht es oder wem ging es genau so, brauche euren Rat.

Meine Mutter hat eine Therapeutin aus Ihrem Freundeskreis mit der ich mich unterhielt. Nach einem ersten Gespräch bin ich positiver eingestellt und denke (hoffe vielmehr) daß es einen Ausweg gibt und es Psychisch bei mir wirklich komplett den Karton umgedreht hat. Aber ich vermisse die eigendliche Lösung des Problems...

was mich auch noch vorallem beschäftigt ist die Frage: Stimmt das wirklich, bin ich vielleicht "etwas hässlich" oder nur ganz anders im Aussehen und nicht unbedingt "sofort hässlich" oder bin ich doch ganz normal?

Aber es muß doch was dran sein wenn mich viele nicht verstehen können, nur das schlimme ist ich kann mir selber nicht mehr trauen weil mir die Selbstwahrnehmung flöten gegangen ist.

DerLiebeStudent
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Beitrag von DerLiebeStudent » Fr Nov 19, 2004 5:02 pm

Hallo,

habe dein Alter überlesen, wie alt bist du? Ich tippe mal auf 17, 18, 19, 20, dass sind die schlimmsten Jahre, dort sind angeblich die selbstzweifel am größten.
Ich leide selber unter einem vermeindlich kleinem Kopf, habe eine ähnliche Einstellung zum "Lästergeschlecht", genauso wie zu Menschenmengen. Würde auch lieber den ganzen Tag bei mir zuhause zumhängen als mich dem gemeinen Volke zu zeigen.
Haben zum glück eine WG welche mich zwingt raus zu gehen, ebenso wie eine Uni zu welcher ich fahren muss und da meine Eltern von mir einen recht großen Erfolg erwünschen muss ich dort tag täglich hin. Somit knüpfe ich immer irgendwie, irgendwo Kontakte. Ich habe die Erfahrung gesammelt das vermeidlich Kranke auch nicht sonderlich auf ihrer Körpferpflege schauen, im Sinne von Häßlich.. also was solls.
Ich habe heute eine wirklich häßliche Person gesehn, diese Person war allerdings recht gepflegt, hatte tolle Kleidung, lief nicht wie ein schlummpi rum, das machte ihn gleich schön. Mir wär seine Häßlichkeit nie aufgefallen wenn ich nicht bei jeder Person ganz kritisch auf die Gesichtszüge schaue, er hatte übrigens mehrer Mädels an der Seite.

Gegen Dysmorphophobie hilft ebenso Berufliche, schulischer Erfolg, nach guten Noten ist mir mein Aussehen egal. Ich trette extrem selbstbewust auf, dies macht mich soweit ich das an Fotos verfolgen kann auch hübscher. Richtig helfen kann ich dir nicht, da ich selber noch im Kampf gegen die Mächte des Bösen bin, aber im moment sieht es nach einem Sieg aus, dass Blatt wendet sich allerdings leider sehr oft und sehr schnell. Mein riesen glück ist es das ich noch nie von jemand als häßlich umschrieben wurde, noch nie als Dumm. Sollte das mal jemand (wenn auch nur aus Spaß sagen) würde ich einen derbe Rückfall erleben.
Fahre gleich mit dem Zug zurück zu meinen Eltern, dort ist auch mein bis jetzt größter gegner, ich rede von den gebogenen Bahnfenstern. Mein Gesicht ist absolut perfect für einen totale Entstellung durch dieses Fenster. Bin danach immer super Depri, deshalb versuch ich solche Blicke zu vermeiden.
Der blick in den Spiegel ist in den letzten Tagen wieder erträglich geworden, ich sehe mich nicht mehr als hässlich, im gegenteil. Mein Kopf wirkt mir zwar immernoch etwas klein allerdings seh ich über diesen Gen defekt hinweg. Keine ahnung wie ich das geschafft habe, aber im moment habe ich eine erstaunlich ruhige Phase. Geheilt bin ich deshlab noch lange nicht, der Rückschlag kommt immer schneller als gedacht. Ich empfehle dir einen Psychater (habe nie einen besucht da meine Eltern meine "Krankheit" als Spinnerei abgetan habe).
Dan kommen immer die vergleich mit meinen Eltern, zählen ihrer Fehler auf, irgendwie depremiert mich das noch viel mehr, muss ich mich jetzt schon mit 50 jährigen vergleichen?

Naja wie auch immer, ich halte euch auf dem laufenden wie es mir und meiner Phobie ergeht. Würde behaupten seid ca. 2 Jahren krank zu sein. Ich habe zwar noch kleine ängste beim Auftreten vor andren Personen und zweifle öfters allerdings sind Suizied gedanken weit weggerückt.
Schauen wir es und mal an,

Mfg

Paroxetinjunkie
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Beitrag von Paroxetinjunkie » Fr Nov 19, 2004 5:10 pm

Hallo Frank, Willkommen im Forum.

Mir gehts gerade genauso, ich kann meiner Wahrnehmung auch nicht mehr trauen.
Ich nehme (unter anderem) den genau entgegengesetzten Makel an mir wahr, nämlich (von der Form ganz zu schweigen) einen Kopf monströsen Ausmasses.
Vor kurzem kam mir, dass man das ja objektiv beurteilen kann, z. B. den Kopfumfang messen. Ausserdem hab ich schon als Kind in keinen Fahrradhelm oder Faschings - Cowboyhut gepasst. Das ist Fakt.

Nun ja, ich weiss ja nicht wie genau Du das mit den Augenbrauen wahrnimmst. Aber Du könntest mal zu einer Kosmetikerin gehen und sie in Form zupfen lassen, das machen anscheinend viele Männer. Das wäre vielleicht eine Möglichkeit, das zu testen.

OK, bekomm grad Besuch, schreib sdpäter weiter

ciao, junkie

Frank
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Seltsame Realität

Beitrag von Frank » Fr Nov 19, 2004 5:41 pm

@ DerLiebeStudent


Hi Student, was mich vielmehr fürchtet ist die Tatsache daß ich ja schon immer so "häßlich" gewesen sein muss und damals gar nicht so sehr darauf geachtet habe und das es damals überhaupt kein Thema war.

Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht ob es falsch wäre zu glauben daß jeder der mich umgiebt genau so auf die Äußerlichkeiten achtet wie ich, aber innerhalb der "Phobie" nenne ich es mal hast du keine Chance, es ist als ob es wirklich wahr ist was ich befürchte, ganz gleich welche Lösungsmöglichkeiten ich anstreben könnte.

Vorallem weil für mich alles so total klar ist, man wird langsam erwachsen und jeder verändert sich und mit 20 weist du dann wie du dein restliches Leben lang aussiehst, wer du bist. Zack und dann ist man eben gut oder schlecht. Und das ist dann für immer so. Die Guten mögen die schlechen nicht und umgekehrt.

Obwohl es so viele Situationen gibt an denen ich selbst wiedeer zweifeln würde ob ich mir das alles doch zum größten Teil nur einbilde, z.B. habe ich heute jemanden kennengelernt der neu angefangen hat (bei meiner Arbeit) und ich konnte mich sofort gut mit ihm unterhalten und ich hatte keinerzeit den Eindruck er würde mich nicht ernst nehmen, obwohl er in meinen augen sehr gut aussieht, größer und kräftiger als ich, schöneres Gesicht und alles.

Normalerweise habe ich bei solchen Leuten gleich das Gefühl abgelehnt zu werden. Aber eben wieder nicht. Mal so mal so, das macht einen krank.


@ Paratoxinjunkie

Ja, die sache mit dem Kopf ist mir erst vor wenigen Monaten immer bewusster geworden. Das schlimmste dabei ist (so ist meine Meinung) daß die Form deines Kopfes und deiner Gesichtszüge zu 95 % das ausmachen was von jedem zunächst als deine Person wahrgenommen wird bzw. worüber man dich als Person identifiziert. Stimmt da was nicht dann geht das sofort auf den wahrgenommenen Eindruck deiner Person über. Auch wenn das komisch klingt, so ist es nun mal.

Ich glaube unbewusst oder teilweise ganz bewusst urteilt jeder über den ersten 3tel (von oben) deines Körpers. Egal wie du dich auch gibst, was du sagst und tust, den fundamentalen Eindruck deiner Person kannst du nicht beeinflussen.

Bleibt nur solange nach Leuten zu suchen die einem ehrlich zusichern daß man zwar nicht schön, aber auch nicht unansehnlich ist. Vielleicht ist das alles aber nur ein Entwicklungsstadium in das jeder einmal kommt und irgendwie damit umgeht und sich eine Meinung bildet und sich weiter entwickelt. Ich denke ich bin in diesem Entwicklungsstadium gefangen und zwar so daß ich mich ganz derbe verrenne, immer neue abströsere Gedankengänge machen sich breit und nehmen besitz von mir.

Vielleicht ist es das beste überhaupt nicht mehr daran zu denken aber das geht eh nicht. Ich brauche ganz dringend einen Ausweg, vielleicht ist der gar nicht so schwer zu finden aber für mich momentan ausser Reichweite.

Paroxetinjunkie
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Beitrag von Paroxetinjunkie » Fr Nov 19, 2004 8:42 pm

@ DerLiebeStudent:

Hmm, deine Beschäftigungstherapie (Schule/Uni/FH oder was auch immer) hilft bei mir nicht, was aber daran liegen könnte das man sich über meine Erscheinung durchaus schon negativ geäußert hat (euphemistisch ausgedrückt).
Nun, da dies bei Dir nicht der Fall war ist meine Prognose für Deine Genesung günstig, insbesondere da Du inzwischen recht optimistisch erscheinst und die chose erst zwei Jahre andauert.
Keine Angst, es ist nicht meine Absicht Dein Leiden abzuwerten, aber wenn man nicht von anderen als hässlich bezeichnet wurde stehen die Chancen, da rauszukommen sicher nicht schlecht. Darum beneide ich Dich beinahe, aber ich gönns Dir. Mit Verweis auf meine Signatur *g*.

@ Frank:

Hmm, nicht mehr daran zu denken wäre schön. Besser gesagt nicht mehr daran denken zu müssen, ich zumindest habe in entsprechenden Situationen das Gefühl, von Gedanken bedrängt zu werden. Das ist es ja was die Dysmo ausmacht, die übermäßige Beschäftigung, welcher man mit Willenskraft nur begrenzt entgegnen kann. ANtidepressiva können vielleicht die Symptome mildern und eine Depression kompensieren (die Depression wird nur überdeckt, wirkungsvoller ist z.B. joggen), aber die Ursachen unserer Neurose beseitigen sie nicht. Letztendlich kann man sich nur selbst helfen, dabei sind Medikamente lediglich eine Krücke und Psychotherapie der Katalysator des Vorganges der Besserung. Ohne letzteres hat man meiner Meinung nach überhaupt keine Chance!!!!

Ich finds gut dass Du schon mit einer Therapeutin gesprochen hast. Ich rate Dir, so bald wie möglich eine ambulante Psychotherapie zu machen, bevor womöglich ein stationärer Aufenthalt nötig wird. Mein Gott, ich hoffe ich höre mich nicht wie eine überbesorgte Mutter an?!

Hast Du eine Idee, von was es bei Dir kommen könnte (traumatische Erlebnisse, Hänselei/Ausgrenzung, Beziehung zu Eltern o.ä)? Na ja, auf alle Fälle wünsch ich Dir Erfolg bei Deinem Studium, ich hab schon wieder resigniert weil ich mich eh nicht konzentrieren kann.


Gute Nacht an alle anonymen Hässlichen (das wär doch ein Name für eine Selbsthilfegruppe, am besten in versteckten Kellergewölben die vor jedem Treffen nach versteckten Kameras abgesucht werden, muahahahaha)

Sorry, meine Fantasie geht wohl mal wieder mit mir durch. Vielleicht sollte ich mir zur Abwechslung mal was Schönes einbilden........

Erlebnis in der Kindheit

Beitrag von Erlebnis in der Kindheit » Di Nov 23, 2004 10:27 am

@ Paroxetinjunkie

Bei mir gab es auf jedenfall ein einschneidendes Erlebnis in der Kindheit. Ich bin mit 3 damals "guten" freunden in ein Feriencamp gefahren. Aber gleich am ersten Tag bin ich sozusagen von allen als das Arschloch ausgewählt worden und ich musste 2 Wochen Hänselei und sogar körperliche Gewalt durchmachen.

Ich weis bis heute nicht was meine besten Freunde damals dazu veranlasst hat sich gegen mich zu verschwören. Der einzige Satz den ich wohl noch in Erinnerung habe ist "ich würde ja zuhause alles bekommen und hätte immer Recht usw." Ich glaube die waren sauer weil ich als einziger ein Einzelkind war und es offensichtlich besser hatte als sie. Damals habe ich das aber nicht verstanden. Trotzdem glaube ich aber das auch damals schon ein gewisser Aspekt mein Aussehen war.

Da wäre noch das normale Gruppenverhalten, da ich auch nicht unbedingt das im Kopf hatte was die anderen so machten (also mädchen anmachen, Fußball etc.), somit war ich schon zu beginn Aussenseiter.

Selbst wenn es gar nichts mit Äußerlichkeiten zu tun hatte, für mich war es ein derartiges trauma das ich bis heute nicht überwunden habe.

Aber irgendwie finde ich das als "Lösung" für alles zu einfach. Schliesslich hat es seit dem immer wieder Hänseleien und Probleme gegeben, ich bilde mir sicher nicht alles nur ein.

Paroxetinjunkie
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Beitrag von Paroxetinjunkie » Di Nov 23, 2004 2:42 pm

Hmm, bei mir waren die Hänseleien offensichtlich wegen meines Aussehens, das wurde mir deutlich genug zu verstehen gegeben. Bei Dir wäre es mit Sicherheit auch der Fall gewesen; wenn ich Dich richtig verstanden hab wurde Dein Aussehen gar nicht konkret angeprangert, das hätten sie sicher getan wenn sie was gefunden hätten.

Dein Erlebnis ist sicher nicht "Die Lösung", aber offensichtlich wurde Dir sehr klar deutlich gemacht: "Du gehörst nicht zu uns, wir wollen Dich nicht."

Ob Du dir alles/etwas/nichts einbildest kann ich nicht sagen. Ich will auch nicht die Frage aufrollen, ob manche Dysmos wirklich hässlich sind. Aber Fakt ist doch, dass Du Dich dauernd damit beschäftigst, was an sich schon einen grossen Leidensdruck verursachen muss.

Dein Problem hast Du im ersten Post sehr gut beschrieben, da scheint wirklich alles auf Dysmo hinzudeuten. Du merkst ja dass es abwärts geht, dass die Gedanken eine Spirale bilden.
Geh unbedingt zu einem Psychiater und lass Dir Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer verschreiben. Bei mir hat z.B. Paroxetin sehr gut gewirkt, lass Dich durch mein Pseudonym nicht abschrecken :mrgreen:
Bei mir wurden die Gedanken dann weniger bedrängend, und ich konnte mich lockerer in soziale Situationen begeben. Eventuelle Nebenwirkungen werden meist durch die Vorteile locker aufgewogen, kannst notfalls verschiedene Medis ausprobieren.
Und geh zu einer Beratungsstelle, gibts sicher auch in Deiner Stadt. Die können Dir vielleicht einen Verhaltenstherapeuten o.ä. vermitteln.

Beschaff Dir unbedingt professionelle Hilfe, sonst gehts unaufhörlich weiter bergab!

Sebastian

ich

Beitrag von ich » Sa Dez 25, 2004 11:52 pm

frank, kannst du uns ein foto zeigen?

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Riesenradfahrrad
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Beitrag von Riesenradfahrrad » Mi Dez 29, 2004 2:18 am

Ich heisse Lorenz, bin 21 und gerade neu in diesem Forum und habe wohl auch eine Dysmorphe Störung, obwohl es ja in der Natur dieser Störung liegt, sie zu verleugnen. Ich bin bereits seit vier oder fünf Jahren bei einer Psychologin, leide auch unter starken psychosomatischen Störungen wie Isomie (schlaflosigkeit) wegen der ganzen Gedanken den Tag und leider auch in der Nacht. Ich habe fast 3 Jahre lang (vor ca. sechs Jahren begann meine Störung richtig schlimm zu werden) regelrechten Schlafentzug hinter mir, mein Kreislauf ist stark in Mitleidenschaft gezogen, habe aber irgendwie trotzdem mein Abitur geschafft und probier mich jetzt an einem Mathe-Physik -Studium.
Meine Aufmerksamkeit gilt allerdings nicht meinem Kopf, sondern meinem Popo, derselbe Kram ansonsten wie bei euch; ständiges Beschäftigen, geringes Selbstwertgefühl, weil ich nun mal meinem Hintern so wie er ist als inakzeptabel ansehe und mein Selbstwertgefühl vollständig davon abhängig mache. Habe in den letzten Jahren krasse, im negativen sinne, Dinge durchgemacht, die meine Persönlichkeit stark beeinflusst haben.

Zu euren Erfahrungen:
Als ich über eurer Leiden laß, gingen mir primär zwei Dinge durch den Kopf:
1. Der Text ist deprimierend, macht schlechte Stimmung (will nur ehrlich sein)
2. Ein dickes -Warum?-. Habe zwar ein analoges Problem, jedoch komischerweise überhaupt kein Verständnis für euer Problem, womit ich nicht meine, das mir euer Leiden egal ist, sondern viel meine ich, dass ich eure negativen Gedanken nicht plausibel finde. Während ich Frank's Text laß, dachte ich die ganze Zeit:
"Mensch Junge scheiss doch drauf, geh mit deinen Kumpels Party machen oder such dir nen coolen Sport, z.B. Skateboardfahren ist geil und macht sehr viel Spass, ganz abgesehen davon, dass dein Kopf dabei völlig egal ist." Zum anderen kann ich mir nicht wirklich vorstellen, wie dein Kopf aussehen soll, ich kann mich nicht erinnern gegenüber jemandem jemals Antipathie wegen seiner Kopfproportion empfunden zu haben.
Ich schreibe euch dies, weil ich es interessant und wichtig finde zu bemerken, dass Dysmorphophobiker mit anderem Problemobjekt genauso über den VERMEINTLICHEN Markel eines anderen Dysm. denken, wie Leute, die von Dysmorphophobie gänzlich verschont sind.
Nebenbei: Es ist das erste mal in meinem Leben, dass ich von anderen Dysmorphophobikern höre.

Ich möchte hier allerdings nicht ohne einen Tipp für Lebensqualitätsverbesserung zu hinterlassen, verschwinden.
Mir, und deshalb vielleicht auch euch, hilft folgendes:

a)Viel Sport treiben und zwar richtig anstrengenden Sport. Der nimmt aggressionen und gibt, zumindest in dem Moment in dem man ihn ausübt meist ein gutes Körpergefühl -ich empfehle Skateboarding oder Kraftsport:Liegestütz, Klimmzüge ect.

b) Sich den Angst situationen mal aussetzen und sich outen (das traut man sich ja aber meist einfach nicht -ich bisher auch nicht, nur wenigen Leuten anvertraut)

c) Wenn ich das Gefühl habe, gar nicht mehr klar zu kommen, kommt mir des öfteren der Gedanke wieder hoch, mal ein Jahr irgendwo im Ausland zu verbringen, weg von all dem festgefahrendem Alltag -z.B. ein Jahr nach Afrika als Entwicklungshelfer und mal was ganz neues erleben. Festgefahrene Verhaltensmuster haben auch oft was mit der immer gleichen umgebung zu tun, also weg von alle dem -entlastet auch die Familie


Ach ja, eine Therapie ist meist notwendig, weil die Ursachen nicht so klar erkennbar sind, auch wenn ihr meint eine Therapie bringt mir nichts, ich bin ja nicht bekloppt, sondern bin häßlich und deshalb verhalte ich mich so ect. -dann geht erst recht hin, ihr habt eh erst mal nur nen Vorgespräch und könnt jederzeit umkehren und es ist nun mal Teil der Störung, davon überzeugt zu sein, dass man sie nicht habe, sondern wirklich hässlich sei. Nachdem was ich hier gelesen habe, halte ich jeden (außer den Gast ) für Therapiebedürftig. Es ist auch falsch die Therapie als eine Art Strafe oder Niederlage anzusehen -sie ist absolut das Gegenteil: Du hast die Möglichkeit deine Lebensqualität zu verbessern -die Kasse bezahlt- und dabei auch deinen Horizont insgesamt zu erweitern, also auch gleich andere einschränkende "Psychodinge" los zu werden. Es ist nur wichtig an den/die richtigen/e Therapeuten/in zu gelangen, bei mir war die erste die richtige (habe nachher noch sechs andere, schlechtere kennegelernt).
Ihr werdet nämlich lernen über ALLES sprechen zu können, das befreit ungemein.
So jetzt hab ich schon viel mehr geschriebenals ich wollte. Ich wünsche jedem in diesem Forum, dass er/sie es wieder schafft ein schönes Leben zu haben, Lachen zu können und so etwas wie glücklich sein empfinden zu können. Freue mich auch über Post, insbesondere bezüglich Erfahrungen mit dem Problem meiner Art -Po-.

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