Auszüge aus meiner Diplomarbeit zur KDS

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Auszüge aus meiner Diplomarbeit zur KDS

Beitrag von Dipl.-Psych. S.Brunhoeber » Sa Mai 07, 2005 10:18 am

Hallo,

wie euch Carsten ja bereits angekündigt hat, wird bald ein Fragebogen zur Diagnostik der Körperdysmorphen Störung ins Forum gestellt. Das wird noch etwas dauern, da Carsten versuchen wird, den Fragebogen so einzubauen, dass man ihn online direkt mit Ergebnis ausgewertet bekommt.
Ich habe den Fragebogen im Rahmen meiner Diplomarbeit entwickelt und stelle nun den Fragebogen zu Verfügung, da ich nicht möchte, dass meine Diplomarbeit nicht wie viele andere einfach in der Schublade verschwindet. Vielleicht kann er so dazu beitragen, dass Personen, die sich noch unsicher sind, ob bei ihnen eine KDS vorliegt, sich klarer und sicherer werden.

Vielleicht erst einmal was zu mir. Ich heiße Stefan, bin 30 Jahre alt und seit 1,5 Jahren fertiger Dipl- Psychologe und mache z.Z. meine Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie). Auf das Thema KDS bin ich eher zufällig gestoßen. Im Studium wird darüber so gut wie gar nichts erwähnt. Ich wollte ursprünglich irgendeine Arbeit über Schönheitsoperationen schreiben. Mein Diplomarbeitsbetreuer hat als einen Schwerpunkt das Thema „Gerechtigkeit“ und ich hatte mir überlegt, dass sich ja nicht jede soziale Schicht es leisten kann, sich solche OPs zu leisten. Daher hatte ich den Gedanken das evtl. ärmere Personen auch anders mit dem Schönheit bzw. Attraktivität umgehen, evtl. aufgrund eines anderen Gerechtigkeitsempfindens. Als ich mehrere Artikel über Schönheitsoperationen gelesen hatte bin ich auf den Begriff der Körperdysmorphen Störung gestoßen, der mir vorher noch kein Begriff war (und das am Ende eines Psychologiestudiums). Aus Interesse forschte ich weiter nach und entdeckte, dass es in der deutschen Literatur nur recht wenig zu dieser Störung zu finden und sie auch in Fachkreisen wenig bekannt war. Da es noch keinen Selbstauskunftsfragebogen zur KDS gab, habe ich mir gedacht, dass ein solcher Fragebogen als sehr hilfreich in vielen Bereichen sein könnte. Z.B. zur Diagnostik vor einer plastischen OP, dermatologischen Behandlungen, zur Diagnostik in Kliniken, bei ambulanten Therapeuten aber auch zur Rekrutierung von Personen mit KDS für weitere Studien über KDS (es gibt bislang immer noch wenig Erkenntnisse über die genauen Entstehungsursachen der KDS und daraus bessere Behandlungsmethoden).

Wie gesagt, auf den Fragebogen müsst ihr noch ein wenig warten, aber ich kann euch vorab schon mal darstellen, was ich genau gemacht habe, bzw. welche anderen Ergebnisse dabei herausgekommen sind. Ich werde nicht alle auf einmal veröffentlichen,, da ich einige Texte der Diplomarbeit umschreiben muss, damit sie für Laien verständlich sind. Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Nun zur Diplomarbeit, einige Auszüge + Zusammenschnitte:
Bei der Körperdysmorphen Störung handelt es sich um eine recht häufige, jedoch bislang nur selten diagnostizierte Störung. Ein Grund hierfür ist darin zu sehen, dass viele Betroffene sich nur selten in psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung begeben. Zum einen schämen sie sich für ihre Symptome und geben aus Angst, als eitel und narzisstisch eingeschätzt zu werden, eher globale Beschwerden wie Depressionen und soziale Schwierigkeiten an. Zum anderen besteht vielfach die feste Überzeugung, dass der Makel auf Dauer ausschließlich durch dermatologische oder plastisch-chirurgische Maßnahmen zu beheben ist.
Ein weiterer Grund für diese Diskrepanz ist sicher, dass immer noch zu wenig geeignete diagnostische Instrumente im deutschsprachigen Raum existieren. Die einzigen veröffentlichten Verfahren sind die Übersetzungen des Body Dysmorphic Disorder Diagnostic Module (BDDDM) und die der Body Dysmorphic Disorder Modification of the Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale (BDD-YBOCS). Bei beiden Instrumenten handelt es sich um teilstrukturierte Interviews. Ein Selbstauskunftsfragebogen existiert bis heute nicht.

Die meisten Personen, die unter einer KDS leiden, haben vor allem zu Beginn ihrer Störung keine Einsicht in den pathologischen Charakter ihrer Wahrnehmung und ihres Verhaltens. Daher suchen sie anstelle von psychiatrischer oder psychologischer Unterstützung bevorzugt kosmetische, chirurgische und dermatologische Hilfe auf. Nicht selten finden sie hier Behandlung, die aber nur in den wenigsten Fällen zum gewünschten Erfolg führt. Oft geben die Betroffenen viel Geld für diese Maßnahmen aus – bis hin zur Verschuldung. Viele KDS-Betroffene finden erst nach vielen erfolglosen Konsultationen verschiedenster Fachärzte und einem langen Leidensweg den Weg zum Psychologen oder Psychiater. Bei vielen hat sich dann allerdings die Störung bereits chronifiziert.
Um dem vorzubeugen, scheint es meiner Meinung nach auch aus ethischen Gründen sinnvoll und notwendig, vor allem bei umfangreichen und weitreichenden Behandlungen wie etwa plastischen Operationen, eine entsprechende psychologische Diagnostik vorzuschalten.
Die bislang existierenden diagnostischen Verfahren sind meines Erachtens aus ökonomischen Gründen nicht praktikabel und auch nicht zumutbar, da sie personal- und zeitaufwendig sind. Ein Selbstauskunftsfragebogen (wie er im Rahmen dieser Arbeit entwickelt wird) hat in der Regel diese Probleme nicht und bietet sich für eine vorgeschaltete Diagnostik im medizinischen Bereich daher eher an als ein Interviewverfahren.

Neben dem Einsatz als Screeninginstrument vor verschiedenen medizinischen Behandlungen sehe ich den geeigneten Einsatz des Fragebogens vor allem im Bereich psychologischer und psychiatrischer Diagnostik. Da der Fragebogen wenig zeit- und personalintensiv ist, kann er im Rahmen der üblichen Psychodiagnostik miterhoben werden. Besonders angebracht erscheint dies, wenn bereits Störungen, die eine hohe Komorbidität zur KDS aufweisen, diagnostiziert wurden.
Wie bereits Stangier anmerkt, besteht ein großes Defizit in der Erforschung der psychologischen Ursachen der KDS. Da die Rekrutierung der unter einer KDS leidenden Personen für Forschungsarbeiten immer noch recht schwer fällt (nur die wenigsten Therapeuten und Kliniken diagnostizieren und behandeln Patienten explizit auf eine KDS) und die bisher vorliegenden diagnostischen Instrumente viel Zeit zur Durchführung in Anspruch nehmen, halte ich ein Selbstauskunftsfragebogen für wichtig. Mit ihm ist eine unkomplizierte und ökonomische Selektion von zukünftigen Probanden möglich. Innerhalb kürzester Zeit können so beispielsweise aus den Patienten einer plastisch-chirurgischen Klinik die Personen mit KDS für weitere Untersuchungen herausgefiltert werden.

Um eine umfassende Validierung des Instruments vorzunehmen, wurde der Fragebogen Personen mit Störungen, die eine hohe Komorbidität zur KDS aufweisen zum Ausfüllen vorgelegt (Soziale Phobie, Depression, Zwangsstörungen). Des weiteren wurden Patienten dermatologischer und plastisch-chirurgischer Einrichtungen untersucht, da hier der prozentuale Anteil an körperdysmorph gestörten Personen im Vergleich zu anderen Stichproben besonders hoch ist (Stangier 2002, Stabgier & Hungerbühler, 2001). Als eine weitere Untersuchungsstichprobe soll eine studentische Kontrollgruppe dienen. Ein Vergleich mit einer Stichprobe aus Personen mit realer Aussehensbeeinträchtigung soll die übertriebene Sorge bzgl. des körperlichen Makels von Personen mit einer KDS nachweisen. Die Rekrutierung der Untersuchungsgruppen erfolgte mit Hilfe von Aufrufen in einschlägigen Internetforen, durch die Vermittlung psychiatrischer Spezialambulanzen, psychiatrischer Kliniken, Selbsthilfegruppen, niedergelassener Therapeuten sowie durch die Untersuchung von Sprechstundenpatienten der dermatologischen Ambulanz der Universitätsklinik Köln und der plastischen Gesichtschirurgie des Marienhospitals in Stuttgart.

Kriterien des DSM-IV für eine KDS
Kriterium A: Es besteht eine übermäßige Beschäftigung mit einem eingebildeten Mangel oder einer Entstellung in der äußeren Erscheinung. Bei einer eventuell vorhandenen leichten Anomalie ist die Besorgnis stark übertrieben.
Kriterium B: Die übermäßige Beschäftigung verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leidenszustände oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
Kriterium C: Die übermäßige Beschäftigung wird nicht durch eine andere psychische Störung (z.B. Unzufriedenheit mit dem Körper bei Anorexia Nervosea) besser erklärt.

Gruppe 1: Patienten mit der Diagnose KDS (68 Personen)
Insgesamt füllten 68 Personen mit einer Körperdysmorphen Störung den Fragebogen aus. Die Personen mit der Diagnose KDS wurden dabei aus unterschiedlichen Kontexten rekrutiert. Neben zwei Patienten einer dermatologischen Universitätsklinik fanden sich bei vier Personen einer plastisch-chirurgischen Klinik Hinweise auf das Vorliegen einer KDS. Des weiteren wurden neun Patienten, die sich bereits in therapeutischer Behandlung befanden, in die Untersuchung miteinbezogen. Diese neun Personen hatten bereits die Diagnose KDS und wurden auf diese Störung hin behandelt. In der studentischen Kontrollgruppe wiesen drei Personen starke körperdysmorphe Symptome auf. 51 Personen konnten mit Hilfe von Aufrufen in verschiedenen Internetforen gewonnen werden. Das Durchschnittsalter betrug 24,4 Jahre, die jüngste Person war 14 Jahre, die älteste 47 Jahre alt.

Gruppe 2: Kontrollgruppe Dermatologie (50 Personen)
Patienten mit einer KDS suchen häufig hautärztliche und dermatologische Einrichtungen auf. Als häufige Beschwerden werden Falten, Flecken, Gefäßzeichnungen, Haarausfall, übermäßige Behaarung, Narben, Komedonen sowie blasse oder gerötete Gesichtsfarbe angegeben. Stangier fand in einer Stichprobe von 195 Patienten einer Universitäts-hautklinik bei 8,7 % der Patienten Hinweise auf das Vorliegen einer KDS.
Im Rahmen dieser Fragebogenvalidierung wurden 52 Patienten der dermatologischen Ambulanz der Universitätsklinik in Köln untersucht. Bei zwei der untersuchten Patienten wurde eine KDS festgestellt. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von 3,9 % und liegt damit unter den epidemiologischen Angaben von Stangier (2001). Die 50 Personen der dermatologischen Kontrollgruppe waren im Durchschnitt 42,6 Jahre alt, die jüngste 14 Jahre, die älteste 80 Jahre.

Gruppe 3: Kontrollgruppe plastische Chirurgie (50 Personen)
Der Fragebogen wurde weiterhin 60 Patienten während der Wartezeit in der Sprechstunde der plastischen Gesichtschirurgie des Marienhospitals in Stuttgart vorgelegt. Diese Einrichtung ist unter der Leitung von Prof. Dr. Gubisch ist in Deutschland die größte seiner Art. Die Personen suchten vornehmlich diese Sprechstunde auf, um sich über Möglichkeiten, Kosten und Art von Behandlungen zu informieren. Dabei kamen die Personen aus unterschiedlichen Anlässen: Unzufriedenheit mit dem eigenen Äußeren, Behandlung von Unfallfolgen, Beseitigung von Operationsfolgen (z.B. Tumorentfernung) oder aufgrund medizinischer Notwendigkeit (z.B. Verkrümmung der Nasenscheidewand). Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Äußeren war allerdings bei ca. 2/3 aller Patienten die Hauptmotivation für das Aufsuchen der Beratung. Das Durchschnittsalter betrug 37,2 Jahre, wobei der jüngste Patient 12, der älteste 67 Jahre alt war.Vier Patienten lehnten es ab, den Fragebogen auszufüllen. Unter diesen waren zwei bekannte Schauspieler sowie ein Model, die es vermutlich aus Imagegründen ablehnten, an der Befragung teilzunehmen.
Von den insgesamt 60 untersuchten Personen wurden vier als körperdysmorph gestört diagnostiziert. Dies entspricht einem Anteil von 6,7 % und deckt sich in etwa mit den in der Literatur angegebenen Häufigkeitsangaben.

Gruppe 4: Studentische Kontrollgruppe (49 Personen)
An der Fragebogenerhebung nahmen 59 Studenten teil, die den Fragebogen im Rahmen ihrer Versuchspersonenstunden ausfüllten. Die jüngste Person war 19 Jahre, die älteste 39 Jahre. Das Durchschnittsalter betrug 22,3 Jahre. Unter den 59 Studenten befanden sich drei Personen mit einer KDS, sowie sieben, die das Kriterium C (Magersucht) erfüllten.

Gruppe 5: Patienten mit der Diagnose Soziale Phobie (49 Personen)
Etwa die Hälfte aller Fragebögen dieser Gruppe (24 Stück) wurden über das Internet ausgefüllt. Die andere Hälfte konnte über Selbsthilfegruppen, Spezialambulanzen und niedergelassene Therapeuten gewonnen werden. Das durchschnittliche Alter lag bei 29,8 Jahren, die jüngste Person war 18, die älteste 50 Jahre.

Gruppe 6: Patienten mit der Diagnose Zwangsstörung (44 Personen)
Die Stichprobe von Personen mit der Diagnose Zwangsstörung besteht aus Patienten verschiedener Selbsthilfegruppen, Spezialambulanzen und sonstigen therapeutischen Einrichtungen, sowie zehn Personen, die über das Internet rekrutiert wurden. Insgesamt füllten 44 Personen mit der Diagnose Zwangsstörung den Fragebogen aus, wobei die jüngste 17 Jahre und die älteste 69 Jahre alt war. Das Durchschnittsalter bei dieser Gruppe lag bei 34,4 Jahren. Alle Personen wurde von Ärzten oder Psychologen bereits als zwangsgestört diagnostiziert. Ein Großteil der Probanden dieser Gruppe befand sich zum Zeitpunkt der Untersuchung in therapeutischer Behandlung.

Gruppe 7: Patienten mit der Diagnose Depression (28 Personen)Patienten mit Depressionen wurden für die Fragebogenuntersuchung auf vielfältigen Wegen gewonnen. Neben Patienten verschiedener psychosomatischer und psychiatrischer Kliniken wurde auch Patienten von niedergelassenen Therapeuten der Fragebogen zum Ausfüllen vorgelegt. Gut ein Drittel bearbeitete den Fragebogen über das Internet. Alle diese Personen hatten bereits die Diagnose Depression und wurden auf diese Störung hin behandelt. Die jüngste Person dieser aus 28 Personen bestehenden Gruppe war 19 Jahre, die älteste 49 Jahre. Das Durchschnittsalter betrug 31 Jahre.

Gruppe 8: Personen mit starker Beeinträchtigung im Aussehen (33 Personen)
Nach Kriterium A des DSM-IV soll die Beschäftigung mit einem eingebildeten Defekt oder einer leichten körperlichen Anomalie stark übertrieben sein. Bei Personen mit einer realen Beeinträchtigung im Aussehen wird eine intensive Beschäftigung als eher normal und damit als nicht pathologisch angesehen. Die Frage stellt sich, ob Personen mit einer als objektiv stark bewerteten Entstellung sich in dem Fragebogen von Personen mit einer nicht vorhandenen oder nur geringfügigen Beeinträchtigung unterscheiden. Nach Stangier haben Personen mit einer klinisch relevanten Entstellung signifikant geringere Werte bezüglich der Zwangsgedanken und Zwangshandlungen und stufen sich hinsichtlich der Fremdbeurteilung eher richtig ein.
Personen wurden dieser Gruppe zugeteilt, wenn die Fremdbeurteilung einen Wert von fünf oder mehr auf der elfstufigen Skala ergab. Patienten mit einer solch hohen Beeinträchtigung waren meist aufgrund von Autounfällen, Tumoroperationen im Gesicht oder starken Hautkrankheiten wie z.B. Schuppenflechte, Sklerodermie oder Bullöse Dermatose in Behandlung. Alle 33 Personen in dieser Gruppe lebten mit ihrer Beeinträchtigung schon seit mindestens einem halben Jahr. Sechs Personen wurden bei den Untersuchungen in einer plastisch-chirurgischen Klinik gewonnen, 27 in einer dermatologischen Universitätsklinik. Das Durchschnittsalter lag bei 48,2, der jüngste Patient war 15, der älteste 79 Jahre alt.

Der Fragebogen wurde einer Faktorenanalyse (statistisches Instrument um Ähnlichkeiten von einzelnen Fragebogenfragen herauszufilten) unterzogen. Herausbildeten sich sieben Faktoren (zusammengehörige Gruppen). Im nachfolgenden sind sie beschrieben:

Faktor 1: Psychosoziale Beeinträchtigung (PSB)
Dieser erste Faktor beschreibt anhand von zehn Items (Fragen) die sozialen und psychischen Belastungen, die durch eine übermäßige Beschäftigung mit dem eigenen Erscheinungsbild bei Personen mit einer KDS entstehen. Neben depressiven Gefühlen bzgl. des Aussehens, die bis hin zu Selbstmordgedanken reichen können, werden mit diesem Faktor vor allem die sozialen Ängste erfasst, die durch den Makel verursacht werden. Diese umfassen Beeinträchtigungen im beruflichen und sozialen Kontext, Schwierigkeiten, dass Haus zu verlassen, sowie Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Items des Faktors Psychosoziale Beeinträchtigung:
1. Stören Sie Gedanken über Ihr Aussehen bei ihren beruflichen oder sozialen Aktivitäten?
2. Fühlen Sie sich ängstlich oder depressiv, wenn Sie über ihr Aussehen nachdenken?
3. Aufgrund meines äußeren Erscheinungsbildes vermeide ich engen Körperkontakt mit anderen, wie z.B. Umarmungen, Küsse, enges Tanzen oder Sex.
4. Wegen meines Äußeren habe ich Schwierigkeiten, das Haus zu verlassen.
5. Vermeiden Sie soziale Situationen aufgrund Ihres äußeren Erscheinungsbildes wie z.B. Partys, mit Vorgesetzten sprechen usw.?
6. Haben Sie schon mal das Gefühl gehabt, dass das Leben aufgrund Ihres Aussehens nicht lebenswert ist?
7. Leiden Sie so stark unter Ihrem Aussehen, dass Sie schon mal mit Selbstmordgedanken gespielt haben?
8. Aufgrund des starken Gefühls, einen hässlichen Körper/Körperteile zu haben, habe ich Schwierigkeiten in Beziehungen.
9. Wenn ich ausgehe, dann suche ich bevorzugt dunkle Räume auf, wie z.B. wenig beleuchtete Ecken in Lokalen, oder ich gehe erst in der Dunkelheit heraus, damit man meine unschönen Körperpartien nicht sieht.
10. Wie stark belasten Sie die Gedanken über Ihr Aussehen?

Faktor 2: Zwanghaftes Kontrollieren (ZWKO)
Der Faktor „Zwanghaftes Kontrollieren“ beschreibt vor allem den Zwang, sich ständig im Spiegel anschauen zu müssen, um den gehassten „Defekt“ zu überprüfen, in der Hoffnung, dass er dann doch nicht so schlimm ist wie befürchtet. Damit einher geht häufig exzessives Pflegeverhalten, das dazu dient, den Makel zu kaschieren und so die Kontrolle über das eigene Erscheinungsbild zu erlangen.

Items des Faktors Zwanghaftes Kontrollieren:
11. Ich prüfe mein Aussehen im Spiegel oder auf anderen glatten Oberflächen.
12. Es kommt vor, dass ich nicht kontrollieren kann, wie viel Zeit ich vor dem Spiegel verbringe.
13. Es kommt vor, dass ich zu spät zu Terminen komme oder sie sogar verpasse, weil ich viel Zeit darauf
verwende, meinen Makel zu betrachten oder versuche, ihn zu verdecken.
14. Ich verwende viel Zeit darauf, Artikel und Bücher über die Verschönerung des Körpers zu lesen.
15. Ich verwende viel Zeit darauf, eins oder mehrere der folgenden Dinge zu tun: Haare richtig zu legen,
Haare zurechtzuzupfen oder zu schneiden, Make-up aufzutragen, mich zu rasieren oder mich tagsüber
neu zu kleiden.
16. Wenn ich nicht zurechtgemacht bin, fällt es mir schwer, mit anderen zusammen zu sein.
17. Es fällt mir schwer, an Spiegeln oder anderen glatten Oberflächen vorbeizugehen, ohne dabei mein Äußeres zu prüfen.

Faktor 3: Wirkung auf andere (WAA)
Die sieben Items des Faktors „Wirkung auf andere“ erfassen die Ängste, von anderen Personen Häme aufgrund ihres Aussehens zu erfahren. Vor allem der eingeschränkte Blickwinkel, unter dem sich Personen mit einer KDS betrachten, führt zu einer sehr negativen Sichtweise bzgl. des eigenen Aussehens. Diese Perspektive wird auch anderen Personen unterstellt.

Items des Faktors Wirkung auf andere:
18. Nachdem ich mich im Spiegel betrachtet habe, fühle ich mich schlecht.
19. Ich denke, dass andere Menschen mich wegen meines Körpers/Teilen meines Körpers in kritischer
Weise anschauen.
20. Ich habe Schwierigkeiten, Komplimente in Bezug auf mein Aussehen anzunehmen, da ich nicht glauben kann, dass sie ernst gemeint sind.
21. Ich vermeide es, mich fotografieren zu lassen, da ich auf Bildern immer ungünstig zu sehen bin.
22. Wenn ich mein Aussehen mit dem anderer Menschen vergleiche, schneide ich fast immer schlechter ab.
23. Wenn ich in den Spiegel schaue, fällt mir zuerst das auf, was ich nicht an mir mag.
24. Ich bin überzeugt davon, dass andere Menschen negativ über mein äußeres Erscheinungsbild denken
oder sich sogar lustig machen.

Faktor 4: Spiegelvermeidung (SPV)
Ein Teil der Personen, die unter einer KDS leiden, vermeiden zwanghaft, in den Spiegel zu schauen, da sie ihr eigenes Aussehen erschreckt und es ihnen meistens danach schlecht geht.

Items des Faktors Spiegelvermeidung:
25. Ich vermeide es in den Spiegel zu schauen, weil für mich der Anblick meines Körpers unerträglich ist.
26. Es fällt mir schwer, mich länger im Spiegel zu betrachten.
27. Wenn ich in den Spiegel blicke, kann es passieren, dass ich panisch oder ängstlich reagiere.
28. Damit ich mich nicht schlecht fühle, schaue ich so selten wie möglich in den Spiegel.
29. Erst wenn ich selbst zufrieden mit meinem Aussehen bin, können auch andere Menschen mich lieben.

Faktor 5: Fremdbeurteilung (FREMD)
Häufig fragen Personen mit einer körperdysmorphen Wahrnehmung andere Personen, ob sie nicht schlechter aussehen als andere Personen. Auf diese Weise hoffen Sie, die Rückmeldung zu bekommen, dass sie doch nicht so entstellt sind, wie sie denken. Zu einer Beruhigung der eigenen Zweifel in Bezug auf das eigene Aussehen führt dieses Verhalten aber nicht. Die fünf Items dieses Faktors sollen diese Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung erfassen. Ein hoher Wert in diesem Faktor lässt daher auf einen eingebildeten oder geringfügigen Defekt im eigenen Aussehen schließen.

Items des Faktors Fremdbeurteilung:
30. Ich frage andere Personen, ob ich akzeptabel oder zumindest nicht schlechter aussehe als andere.
31. Ich prüfe häufig Körperteile von mir in der Hoffnung, dass sie dann so klein, so groß oder so symmetrisch sind, wie ich sie gerne hätte.
32. Bei den meisten Menschen stoße ich auf Unverständnis, wenn ich erwähne, wie unglücklich ich mit meinem Aussehen bin.
33. Ich fühle mich häufig unverstanden, wenn ich mit anderen Leuten über meine Probleme, die ich mit meinem Aussehen habe, rede.

Faktor 6: Kaschieren (KASCH)
Dieser Faktor erfasst das Bemühen der unter einer KDS leidenden Person, den Makel dem Blick von anderen Personen zu entziehen. Dies nimmt bei den betroffenen Menschen in der Regel übermäßig viel Zeit in Anspruch.
Items des Faktors Kaschieren:

34. Ich bedecke oder verstecke Teile meines Körpers mit einem oder mehreren der folgenden Dinge: Hut,Kleidungsstück, Make-up, Sonnenbrille, Haare.
35. Ich verwende viel Zeit darauf, mir ein Outfit herauszusuchen, bei dem ich dann sicher bin, dass andere meine Beeinträchtigung nicht bemerken.
36. Ich habe Schwierigkeiten, im Badeanzug ins Schwimmbad oder anderswo baden zu gehen.

Faktor 7: Familiäre Belastung (FAM)
Vor allem wenn der körperliche „Makel“ vererbt wurde, kommt es in einigen Fällen zu Ärger über die leiblichen Eltern. Ihnen wird die Verantwortung für die „Entstellung“ zugeschrieben. Aber auch Geschwister werden aufgrund dessen, dass sie von dem „Makel“ verschont geblieben sind, Opfer von Aggressionen.

Items des Faktors Familiäre Belastung:
37. Sind Sie böse auf Ihre Eltern („Erzeuger“), die Ihnen den Körpermakel vererbt haben?
38. Werden Sie Ihren Eltern oder Geschwistern gegenüber unwirsch oder aggressiv, weil nur Ihr Äußeres von dem Makel betroffen ist?


Aus den sieben Faktoren erster Ordnung ließen sich zwei Faktoren zweiter Ordnung extrahieren. Die Skalen „Psychosoziale Beeinträchtigung“, „Wirkung auf andere“, „Spiegelvermeiden“ und „Familiäre Belastung“ bilden den Faktor „Hoffnungslosigkeit. Der andere neue Faktor „Aussehensbeeinflussung“ setzt sich aus den Skalen „Fremdbeurteilung“, „Kaschieren“ und „Zwanghaftes Kontrollieren“ zusammen. Beide Faktoren 2. Ordnung haben eine sehr geringe Korrelation von .03 (Zusammenhang).

Faktor 2. Ordnung: Aussehensbeeinflussung (AUBE)
Personen mit hohen Werten in diesem Faktor haben die Hoffnung, durch Kontrollhandlungen wie andauerndes in den Spiegel starren, Schminken, Verdecken des Makels usw. ihr Aussehen so zu beeinflussen, dass sie sich selbst und auch andere sie für annehmbar halten. Daher haben sie vielfach die Überzeugung, dass ihr Makel kaum von anderen wahrgenommen wird. Die verschiedenen Kontrollhandlungen sind daher „wirksame Methoden“ im Umgang mit dem als hässlich erlebten Körperteil.

Faktor 2. Ordnung: Hoffnungslosigkeit (HOFF)
Im Gegensatz zu Personen mit hohen Werten im Faktor Aussehensbeeinflussung haben Personen mit starker Hoffnungslosigkeit es aufgegeben oder erst gar nicht versucht, ihr Aussehen zu beeinflussen. Daher vermeiden sie es eher in den Spiegel zu schauen, verlassen weniger das Haus und meiden soziale Kontakte, sind in stärkerem Maße von der negativen Wirkung ihres Aussehens auf andere überzeugt, fühlen sich stärker depressiv und haben häufiger Selbstmordgedanken. Da sie aufgrund ihres Äußeren kaum noch das Haus verlassen, ist ein Kontroll- und Pflegeverhalten überflüssig. Sie leiden stärker unter ihrem Aussehen als Personen mit hoher Aussehensbeeinflussung.


.........................................................Gruppen
...............................1............2............3............4............5............6.............7............8
Skalen

HOFF..................3,07........1,47.......1,53.......1,52.......2,07.......1,59........1,87.......1,93

AUBE.................3,58........1,90........2,06.......2,08......2,27........1,95........2,19......2,17

PSB.....................3,55........1,41........1,42.......1,37......2,15........1,54........1,82......1,93

ZWKO................3,61........1,92........2,14........2,11......2,09.......1,91........2,14......2,03

WAA..................3,92........1,94........2,20........2,13.......3,01.......2,30........2,57......2,57

SPV....................2,80........1,42........1,39........1,40... ...1,97.......1,42........1,80......1,98

FREMD .............3,35.........1,81........1,99........2,12......2,34.......1,89........2,17......2,13

KASCH..............3,80........1,97.........1,97.......1,95.......2,63.......2,11........2,32......2,52

FAM...................2,00........1,10.........1,12........1,19......1,16.......1,10........1,29......1,25


alle Mittelwertsdifferenzen zwischen KDS und den übrigen Gruppen sind für alle Skalen signifikant (Scheffé-Kontrasttest, p < .001) HOFF = Hoffnungslosigkeit, AUBE = Aussehensbeeinflussung, PSB = Psychosoziale Beeinträchtigung, ZWKO = zwanghaftes Kontrollieren, WAA = Wirkung auf andere,SPV = Spiegelvermeidung, FREMD = Fremd- bewertung, KASCH = Kaschieren, FAM = familiäre Belastung
Gruppe 1 = KDS, Gruppe 2 = dermatologische Kontrollgruppe, Gruppe 3 = plastisch-chirurgische Kontrollgruppe, Gruppe 4 = studentische Kontrollgruppe, Gruppe 5 = Personen mit Sozialer Phobie, Gruppe 6 = Personen mit Zwangsstörung, Gruppe 7 = Personen mit Depressionen, Gruppe 8 = Personen mit realer Beeinträchtigung im Aussehen.


In der Tabelle werden die Mittelwerte (Durchschnittswerte), die die einzelnen Gruppen in den einzelnen Faktoren (Skalen) erreicht haben dargestellt. Man erkennt, dass die KDS-Gruppe in allen Faktoren deutlich höher liegen, als alle anderen Gruppen, auch die mit tatsächlicher Beeinträchtigung im Aussehen. Inhaltlich heißt das z.B. das eine Personen, die eine objektive Beeinträchtigung im Aussehen hat, viel weniger das Problem hat, in den Spiegel zu schauen, ständig sich zu fragen, wie er wohl auf andere wirkt oder das er aufgrund seines Äußeren sich nicht mehr unter Menschen traut oder depressiv wird. Wie ist das zu erklären? Ich denke da gibt es bestimmt viele Erklärungsmöglichkeiten, zum Einen bekommen sie bestimmt mehr Zuwendung von ihrer Umwelt, da die Angehörigen besser verstehen können, dass es dieser Personen schlecht geht (im Gegensatz zu Personen mit KDS). Zum anderen vermute ich, dass Personen mit einer realen Beeinträchtigung im Aussehen andere gedankliche Strategien haben, um mit ihrem Problem umzugehen (das ist meines Erachtens der Zentrale Punkt). Eine Person, die durch einen Unfall stark entstellt wurde wird sich vermutlich eher denken: „ Hab ich ein Glück gehabt, dass ich noch lebe“ als „Verdammt sehe ich jetzt scheiße aus“. Oder eine Person mit Krebs im Gesicht wird beispielsweise eher denken: „ Hoffentlich habe ich den Krebs jetzt überwunden“. Personen mit schweren Hautkrankheiten werden sich bestimmt häufig Sorgen um ihre Gesundheit machen und weniger um ihr Aussehen, vielleicht denken die aber auch einfach: „ Was soll ich denn machen? Mehr als immer wieder zum Arzt gehen kann ich auch nicht. Ich habe nur dieses eine Leben also versuche ich das Beste daraus zu machen.



So dass wäre es für heute. Ich hoffe ich konnte es einigermaßen verständlich ausdrücken, ansonsten fragt einfach nach. In den nächsten Tagen kommt mehr und bestimmt auch noch Interessanteres als das heute.

Viele Grüße

Stefan

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