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dropkick
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Anmeldungsdatum: 26.08.2008
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: Di Jun 16, 2009 11:46 am    Titel: Bitte um eine Einschätzung Antworten mit Zitat

Sehr geehrter Herr Brunhoeber,

zunächst einmal möchte ich Ihnen ein riesiges Kompliment aussprechen für Ihre Arbeit zu diesem schwierigen Thema und Ihren Beiträgen hier im Forum, die mit Sicherheit schon vielen Betroffenen geholfen haben.

Ihr Therapiemanual habe ich bisher noch nicht gelesen, werde es mir aber wohl sehr bald zulegen, um noch mehr von Ihrer hervorragenden Arbeit zu lesen.

Meine Frage ist, wie Sie meine Situation einschätzen und inwiefern dieses Therapiemanual für mich passend ist bzw. mir eine KDS-bezogene Therapie weiterhelfen kann. Dazu möchte ich kurz auf meine doch eher ungewöhnliche Problematik eingehen und ich hoffe, Sie können mich ein wenig verstehen.
Ich habe bereits im letzten Jahr einen Eintrag zu meinem Problem in diesem Forum gemacht, den Sie hier nachlesen können:

http://www.dysmorphophobie.de/phpBB2/viewtopic.php?t=2466

Wie auch schon damals selber geschrieben und von vielen anderen auch so eingeschätzt, handelt es sich wohl um ein sehr außergewöhnliches Problem, denn ich empfinde eine von mir selbst gewollte Tätowierung als einen Makel und merke, dass sich sämtliche Symptome der KDS mit meinen decken. Es bestimmt meinen Alltag, blockiert mich, lässt mich ständig meine Person mit anderen Vergleichen (natürlich zu meinem Nachteil) und lässt alle anderen Eigenschaften in den Hintergrund rücken.
Im Vergleich zu anderen Auslösern der KDS denke ich aber, dass man mir auch objektiv sagen könnte, dass ich ein Problem habe, weil diese Tätowierung bei bestimmten T-Shirts sichtbar ist, mich kleidungsmäßig einschränkt und zu ernsthaften Problemen führen kann. Es hat sich in den letzten Monaten ein Gedankenkreislauf in meinem Kopf entwickelt, in dem ein Szenario vom nächsten gejagt wird.
Als Beispiel:
Ich denke, dass ich bezogen auf jede Person Minderwertigkeitsgefühle haben muss, weil sie ja frei von diesem "Makel" sind und ich ja bis an mein Lebensende mit diesem leben muss. Denke, dass andere Personen ja ein rosiges und glückliches Leben vor sich haben, ich aber nicht und ich abgestempelt werden kann...um nur mal ein paar Auszüge meiner Gedanken zu beschreiben.
Wie auch schon in dem Thread beschrieben, habe ich mich desöfteren mit einer Entfernung beschäftigt und mich auch beraten lassen...leider sind die Risiken aber sehr hoch, so dass man nicht weiß, wie es hinterher aussieht.

Ich hoffe nicht, dass dieser Eintrag zu sehr von der Funktion dieses Unterforums abweicht und würde mich einfach über eine kurze Einschätzung freuen, auch wenn dieses Problem noch so ungewöhnlich erscheint.

Vielen Dank im Voraus!
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Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 916
Wohnort: Sankt Augustin

BeitragVerfasst am: Di Jun 16, 2009 6:26 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dropkick,

Zitat:
Meine Frage ist, wie Sie meine Situation einschätzen und inwiefern dieses Therapiemanual für mich passend ist bzw. mir eine KDS-bezogene Therapie weiterhelfen kann. Dazu möchte ich kurz auf meine doch eher ungewöhnliche Problematik eingehen und ich hoffe, Sie können mich ein wenig verstehen.


Ich habe mir Ihre Symptomatik durchgelesen und denke das sie gut von dem Buch profitieren können. Nachdem was Sie geschildert haben teile ich die Einschätzung, dass sich die Symptomatik selbst bei einem guten Laserergebnis auf ein anderes Körperteil übertragen würde. Grund hierfür sehe ich in der allgemeinen Selbstunsicherheit, die ja durch die Veränderung eines Merkmals nicht verschwindet und deren Ursache sicherlich nicht die Tätowierung ist. Es spielt keine Ursache, ob es ein realer Makel ist oder nicht, denn die Ursache steckt in beiden Fällen dahinter.

Dennoch: Das Buch lesen und davon profitieren sind noch zwei Sachen. Ein Beispiel: Sie haben die Empfehlung bekommen, sich mit Ihrer Tätowierung zu zeigen. Auf der einen Seite zu wissen warum das gut ist und es dann zu tun sind ja zwei verschiedende Dinge.

Zitat:
Als Beispiel: Ich denke, dass ich bezogen auf jede Person Minderwertigkeitsgefühle haben muss, weil sie ja frei von diesem "Makel" sind und ich ja bis an mein Lebensende mit diesem leben muss. Denke, dass andere Personen ja ein rosiges und glückliches Leben vor sich haben, ich aber nicht und ich abgestempelt werden kann...um nur mal ein paar Auszüge meiner Gedanken zu beschreiben.


Sie stempeln sich selbst ab, kein anderer tut das, oder?

Warum stempeln Sie sich selber ab? Haben Sie was verbrochen? Sind Sie ein schlechter Mensch?

Viele GrüßeStefan Brunhoeber
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dropkick
User


Anmeldungsdatum: 26.08.2008
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: Di Jun 16, 2009 8:07 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herr Brunhoeber,

erstmal vielen Dank für Ihre Antwort und Einschätzung.

Ich teile Ihre Ansicht, dass eine Entfernung mein Problem nicht lösen würde, weil ich weiß, dass ich vorher auch schon diverse Probleme mit meinem Körper hatte (u.a. Körperbehaarung) und eine hohe Unsicherheit in mir verspüre. Dennoch taucht immer wieder der Gedanke in meinem Kopf auf, dass eine Tätowierung, die als Makel empfunden wird, etwas anderes ist als ein "unverschuldeter" körperlicher Makel und dass gesellschaftlich viele Dinge mit Tätowierungen verbunden werden können. Fühle mich beruflich als auch privat blockiert und kann nicht verstehen, warum ich das gemacht habe.
Natürlich weiß ich, dass ich mir das Problem selber in meinem Kopf mache, aber es ist so schwierig einzusehen, dass ich objektiv evtl. kein Problem habe.

Zitat:
Dennoch: Das Buch lesen und davon profitieren sind noch zwei Sachen. Ein Beispiel: Sie haben die Empfehlung bekommen, sich mit Ihrer Tätowierung zu zeigen. Auf der einen Seite zu wissen warum das gut ist und es dann zu tun sind ja zwei verschiedende Dinge.


Meinen Sie, dass es auch durch das Lesen des Buches nicht einfacher sein wird, die Tätowierung zu zeigen? Wie würden Sie diesen Weg dann angehen?

Zitat:
Sie stempeln sich selbst ab, kein anderer tut das, oder?
Warum stempeln Sie sich selber ab? Haben Sie was verbrochen? Sind Sie ein schlechter Mensch?


Nein, bisher hat mich kein anderer offensichtlich abgestempelt, aber ich denke, dass es irgendwann dazu kommen muss. Verstecke dieses Merkmal, um kein Risiko einzugehen, dass sich jemand ein anderes Urteil über mich bildet. Ich weiß, dass es komplett kontraproduktiv ist, aber wie bekomme ich diesen Zwang wieder los?

Ich danke Ihnen schon jetzt für Ihre Antwort.

Viele Grüße!
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Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 916
Wohnort: Sankt Augustin

BeitragVerfasst am: Mi Jun 17, 2009 6:34 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Nein, bisher hat mich kein anderer offensichtlich abgestempelt, aber ich denke, dass es irgendwann dazu kommen muss.


Und was wäre daran so schlimm? Wenn einer von vielen Sie abstempelt? Sind Sie dann das Problem oder diese Person? Nennt man solche Personen dann nicht Spießer?
Irgendwann werden Sie tatsächlich mal auf jemanden treffen, der das nicht gut findet. So what? Geht dadurch Ihr Leben zugrunde? Nein. Ihr Leben geht viel eher dadurch zugrunde, wenn Sie sich permanent mit der Tätowierung beschäftigen. Um aus dem Kreis wieder rauszukommen, kann ich Ihnen nur empfehlen, mit Achselshirt den ganzen Sommer herumzulaufen und sich den Blicken anderer auszusetzen. Sie werden merken das die meisten das gar nicht interessiert. Das wird Sie sicherer machen. Spätestens nach einer Woche täglicher Konfrontation werden Sie nicht mehr über die Tätowierung nachdenken.

Viele Grüße

Stefan Brunhoeber
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Sternentanz
Poweruser


Anmeldungsdatum: 09.02.2009
Beiträge: 168

BeitragVerfasst am: Do Jun 18, 2009 5:25 am    Titel: Antworten mit Zitat

könnte man eine tätowierung nicht wieder weglasern lassen?
ich meine davon gehört zu haben, möchte aber nicht irgendwelche vermutungen in den raum stellen.
sicher ist das auch sehr teuer, aber jemanden der so darunter leidet würde ich schon diese alternative bieten.
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dropkick
User


Anmeldungsdatum: 26.08.2008
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: Do Jun 18, 2009 12:50 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herr Brunhoeber,

vielen Dank für Ihre Antwort und Ihre klaren, direkten Worte. Ich merke an Ihrer Aufforderung und Ihrer Einschätzung, dass ich klare Ansagen brauche, um aus diesem Dilemma herauszukommen.

Natürlich ist es leichter gesagt als getan, sich den Blicken anderer Menschen auszusetzen. In manchen Situationen kann ich es mir eher vorstellen (z.B. in die Stadt gehen, wo mich ja erstmal keiner kennt), in manchen Situationen schon weniger (z.B. mich in den Kreis mir bekannter Leute begeben, die teilweise nichts von die Tätowierung wissen - Angst, darauf angesprochen zu werden) und in manchen Situationen kann es meiner Meinung nach objektiv auch nicht gut sein, etwas zu zeigen (z.B. auf der Arbeit, wenn man etwas unterhalb des T-Shirts sieht).
Dazu kommt, dass ich teilweise schon gar nicht mehr weiß, ob ich diese Tätowierung ästhetisch finde oder nicht, was sich wahrscheinlich aus meiner Angst heraus begründet.

Wird in Ihrem Buch auch geschildert, wie man sich auf eine Konfrontation vorbereiten kann und inwiefern diese einem das Leben erleichtern kann?

Haben Sie neben dieser Konfrontation einen weiteren Rat für mich?

Ich danke Ihnen im Voraus!

@ Sternentanz: Vielen Dank für Deinen Beitrag. Mit einer Entfernung habe ich mich schon oft beschäftigt, jedoch ist das Risiko nach wie vor sehr hoch, so dass z.B. Narben, hellere Stellen oder Schatten bleiben können. Hier stellt sich die Frage, ob das dann nicht ein größerer Makel ist als eine Tätowierung.
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Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 916
Wohnort: Sankt Augustin

BeitragVerfasst am: Do Jun 18, 2009 6:29 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Fangen Sie erst ist den einfacheren Situationen an sich zu konfrontieren. Achten Sie auf die Blicke der anderen. Schaut jemand? Wenn ja, wie schaut die Person? Macht jemand eine abfällige Bemerkung? Usw. Wenn nein, sollten Sie sich überlegen warum. Vielleicht weil die meisten Menschen damit kein Problem haben und Tätowierungen heute schon so normal sind. Dann gehen Sie eine Stufe weiter und zeigen sich unter guten Bekannten bzw. weniger guten bekannten (je nachdem was weniger schlimm ist). Machen Sie dort das Gleiche. Und wichtig: Machen Sie diese Übungen häufig. Um so häufiger desto besser.

In beruflich relevanten Situationen würde ich die Tätowierung bedecken.

Zitat:


Dazu kommt, dass ich teilweise schon gar nicht mehr weiß, ob ich diese Tätowierung ästhetisch finde oder nicht, was sich wahrscheinlich aus meiner Angst heraus begründet.

Wird in Ihrem Buch auch geschildert, wie man sich auf eine Konfrontation vorbereiten kann und inwiefern diese einem das Leben erleichtern kann?


Es wird darauf eingegangen aber natürlich nicht so genau wie ich es für ein Selbsthilfebuch schreiben würde.

Neben der Konfrontation geht es um eine gedankliche Bewältigung der belastenden Gedanken, die mit der Tätowierung zusammenhängen. Hierzu ist es wichtig genau zu verstehen, was diese Tätowierung für Sie bedeutet und was die spezifischen Ängste sind. Also überlegen Sie mal was genau alles an Befürchtungen durch Ihren Kopf gehen würde, wenn sie sich der schlimmsten Situation mit sichtbarer Tätowierung stellen würden.

Viele Grüße

Stefan Brunhoeber
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dropkick
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Anmeldungsdatum: 26.08.2008
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: Do Jun 18, 2009 7:42 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Erneut vielen Dank für Ihre Antwort.

Ich werde versuchen, mich Stück für Stück mehr zu konfrontieren und sehe ein, dass nur dieser der richtige Weg sein kann.

Zitat:
Neben der Konfrontation geht es um eine gedankliche Bewältigung der belastenden Gedanken, die mit der Tätowierung zusammenhängen. Hierzu ist es wichtig genau zu verstehen, was diese Tätowierung für Sie bedeutet und was die spezifischen Ängste sind. Also überlegen Sie mal was genau alles an Befürchtungen durch Ihren Kopf gehen würde, wenn sie sich der schlimmsten Situation mit sichtbarer Tätowierung stellen würden.


Meine Ängste gehen in verschiedene Richtungen und ich versuche sie mal zu beschreiben:
Gerade jetzt zum Sommerbeginn sehe ich Männer mit T-Shirts, bei denen man meine Tätowierung sehen würde und ich denke mir, dass ich nie wieder diese Kleidung tragen kann ohne dass man meine Tätowierung sieht. Dieses "für immer" macht mir Angst und ich habe in diesem Zusammenhang Angst vor dem Alter. Ich kann eben schlecht einschätzen, ob ich diese Tätowierung ästhetisch finde oder nicht und durch meine negativen Gedanken gefällt sie mir eher nicht, so dass ich denke, dass ich mich nie wieder in kürzeren T-Shirts schön finden werde (besonders dieser Gedanke treibt natürlich den Wunsch nach der Entfernung). Ich empfinde die Tätowierung mittlerweile einfach als "zu krass".
Ich befürchte berufliche Probleme und habe Angst vor Situationen, in denen ich ggf. meine Tätowierung zeigen muss. In meiner alten Firma habe ich deswegen auf Betriebssport verzichtet, um in der Dusche nicht meine Tätowierung zeigen zu müssen. Es ist die Angst vor Ablehnung und die Angst, mir berufliche Aufstiege versaut zu haben und Probleme mit meinen Kollegen zu bekommen.
Im privaten Bereich befürchte ich, dass gute Bekannte enttäuscht von mir sind, weil ich das gemacht habe und mich ggf. in eine Schublade stecken. Dazu denke ich trotz positiver Resonanz von Frauen auf mein Aussehen, dass auch bezogen auf Beziehungen diese Tätowierung eine Blockade darstellt und dass mich u.a. deswegen Frauen nicht wollen. Dazu habe ich weitere Gedanken in meinem Kopf, dass Frauen es zwar vielleicht ganz interessant finden, ich aber deswegen kein Mann für die Zukunft bin. Zudem habe ich bei meiner Ex-Freundin auch immer riesige Angst davor gehabt, dass ihre Eltern davon erfahren bzw. diese sehen.

Es ist nicht ganz leicht alle Gedanken, Befürchtungen und Ängste zu fassen, aber ich denke, die von mir genannten Punkte sind mit die wichtigsten...Angst vor Ablehnung, Angst vor der Zukunft, Angst vor Problemen und Angst, mir diesen Fehler nie verzeihen zu können.
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Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 916
Wohnort: Sankt Augustin

BeitragVerfasst am: Sa Jun 20, 2009 5:32 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Meine Ängste gehen in verschiedene Richtungen und ich versuche sie mal zu beschreiben:
Gerade jetzt zum Sommerbeginn sehe ich Männer mit T-Shirts, bei denen man meine Tätowierung sehen würde und ich denke mir, dass ich nie wieder diese Kleidung tragen kann ohne dass man meine Tätowierung sieht.

Das geht weg, wenn Sie regelmäßig Konfrontationsübungen machen.
Zitat:

Ich befürchte berufliche Probleme und habe Angst vor Situationen, in denen ich ggf. meine Tätowierung zeigen muss. In meiner alten Firma habe ich deswegen auf Betriebssport verzichtet, um in der Dusche nicht meine Tätowierung zeigen zu müssen.


Das Problem im Beruf mit einer Tätowierung ist meines Erachtens hauptsächlich im Kundenkontakt. Hier sehen dies viele Chefs nicht so gerne, im Innendienst ist das eher egal. Es kommt immer darauf an, was Sie später machen wollen. Wenn Sie ein langärmliges Hemd anziehen ist es eh egal.

Zitat:
Es ist die Angst vor Ablehnung und die Angst, mir berufliche Aufstiege versaut zu haben und Probleme mit meinen Kollegen zu bekommen.


Ihre Vorgesetzten werden Sie nach Ihrer Leistung, Ihrem Verhalten und Ihrer Teamfähigkeit beurteilen. An der Tätowierung wird es nicht scheitern.

Zitat:
Im privaten Bereich befürchte ich, dass gute Bekannte enttäuscht von mir sind, weil ich das gemacht habe und mich ggf. in eine Schublade stecken. Dazu denke ich trotz positiver Resonanz von Frauen auf mein Aussehen, dass auch bezogen auf Beziehungen diese Tätowierung eine Blockade darstellt und dass mich u.a. deswegen Frauen nicht wollen.


Hier gilt es wieder Konfrontationsübungen zu machen, bis auch Ihre letzten Zweifel weg sind, dass dies passiert. Und wenn sich tatsächlich ein Bekannter abwendet, was ich nicht glaube, würde ich diesen nicht mehr als Bekannten haben wollen.

Zitat:
Dazu habe ich weitere Gedanken in meinem Kopf, dass Frauen es zwar vielleicht ganz interessant finden, ich aber deswegen kein Mann für die Zukunft bin.

Schauen Sie sich mal auf der Straße um, wie viele tätowierte Männer eine dauerhafte Partnerschaft haben. Sie werden es nie allen Recht machen können. versuchen Sie es erst gar nicht. Da reiben Sie sich nur auf. Kennen Sie eine Person die es allen recht machen kann? Ich nicht.

Zitat:
Zudem habe ich bei meiner Ex-Freundin auch immer riesige Angst davor gehabt, dass ihre Eltern davon erfahren bzw. diese sehen.


Ich würde bei einer neuen Freundin es so machen, dass ich es erst einmal verstecken, dann können Sie einen so kennen lernen wie man ist, dann wird dieser positive Eindruck auch evtl. negative Reaktionen auf die Tätowierung abmildern. Sie können es auch direkt anders herum machen uns sagen: Entweder ihr mögt mich wie ich bin oder ihr lasst es. Das bringt einem aber in der Regel mehr Schwierigkeiten an, die man sich sparen kann.
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Sternentanz
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Anmeldungsdatum: 09.02.2009
Beiträge: 168

BeitragVerfasst am: Sa Jun 20, 2009 9:52 pm    Titel: Antworten mit Zitat

darf ich fragen um was für ein tattoo es sich handelt?
ist es irgendwie gesetzwidrig oder rechtsradikal oder dergleichen?
wenn nicht, verstehe ich deine angst und sorge nicht.

allerdings kann ich aber auch verstehen, wenn man etwas macht und es hinterher bereut das es schon fertig machen kann, wenn man es jeden tag auf s neue wieder sehen muß.
deswegen würde ich es so machen wie der Psychologe beschreibt.
Ein Tattoo ist eigentlich nichts schlimmes.
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dropkick
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Anmeldungsdatum: 26.08.2008
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: Mo Jun 22, 2009 12:56 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herr Brunhoeber,

ich muss Ihnen nochmal ein Kompliment machen. Ihre Arbeit hier ist wirklich vorbildlich und ich merke, dass mir Ihre Antworten helfen.

Ihre Aussagen zu meinen Befürchtungen leuchten mir rational ein, aber ich denke, dass es wohl noch einige Zeit dauern wird bis mir diese Gedanken in Fleisch und Blut übergehen. Ich weiß nun noch mehr, wie wichtig diese Konfrontationsübungen für mich sind und werde so schnell wie möglich damit beginnen.

Natürlich habe ich neben diesen bereits genannten Befürchtungen noch weitere Gedanken, die den anderen z.T. ähneln und welche ich nun versuche, durch Ihre Antworten zu entkräften.

Wie gehe ich aber die folgenden Befürchtungen/Probleme an bzw. wie könnte ich diese entkräften?

Neben der eigentlichen Tatsache, dass ich ein Tattoo habe, beschäftige ich mich sehr viel mit der Ästhetik dieser Tätowierung, d.h. ich schaue mich im Spiegel an, schaue wie es aussieht, wenn man es unter dem T-Shirt sieht etc.. Ich versuche zu erreichen, dass ich es schön finde, habe damit aber Probleme, weil ich mich zuviel damit beschäftige. Daraus ergibt sich natürlich für mich die Überzeugung, dass es nicht ästhetisch aussieht, wenn es unter dem T-Shirt herausschaut und ich es deswegen auch nicht zeigen sollte.

Eine weitere Befürchtung bezieht sich auf das Alter und dem oft verwendeten Urteil, dass eine Tätowierung im Alter nicht aussieht bzw. nicht passt. Denken Sie, dass es Sinn macht, mir in meinen Gedanken die Möglichkeit einer späteren Entfernung offen zu lassen?

Vielen Dank im Voraus.

@ Sternentanz: Das Tattoo siehst Du in dem von mir verlinkten Thread. Es handelt sich dabei um ein neutrales Tattoo ohne Bedeutung.
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Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 916
Wohnort: Sankt Augustin

BeitragVerfasst am: Mo Jun 22, 2009 6:03 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dropkick,

Zitat:
ich muss Ihnen nochmal ein Kompliment machen. Ihre Arbeit hier ist wirklich vorbildlich und ich merke, dass mir Ihre Antworten helfen.


Vielen Dank! Und: Freut mich!

Zitat:
Neben der eigentlichen Tatsache, dass ich ein Tattoo habe, beschäftige ich mich sehr viel mit der Ästhetik dieser Tätowierung, d.h. ich schaue mich im Spiegel an, schaue wie es aussieht, wenn man es unter dem T-Shirt sieht etc.. Ich versuche zu erreichen, dass ich es schön finde, habe damit aber Probleme, weil ich mich zuviel damit beschäftige.


Ich würde davon ausgehen, dass wenn durch die Expositionsübungen die Ängste und Schamgefühle geringer geworden sind, Sie sich auch weniger mit dem Tattoo beschäftigen. Ob sie es dann gleich schön finden ist die Frage, Sie werden es aber vermutlich nicht mehr so schlimm wie jetzt empfinden, da die an das Tattoo gekoppelten Befürchtungen ja größtenteils widerlegt sind. Es gibt ja nicht nur schwarz und weiß – entweder ich mag es oder ich hasse es. Es wird Tage geben, da mögen Sie es, an anderen werden Sie sich vielleicht auch wünschen es nicht gemacht zu haben. Es wird halt schwanken, ohne die große Rolle zu spielen.

Zitat:
Eine weitere Befürchtung bezieht sich auf das Alter und dem oft verwendeten Urteil, dass eine Tätowierung im Alter nicht aussieht bzw. nicht passt. Denken Sie, dass es Sinn macht, mir in meinen Gedanken die Möglichkeit einer späteren Entfernung offen zu lassen?

Ich habe mal nachgeschaut, wie viele Menschen ein Tattoo haben. Nach diesen Zahlen sind Sie nicht alleine. Sie werden allso nicht alleine mit dem Tattoo alt. „Dabei ergab sich, dass insgesamt 6,8 Prozent ein Piercing und 8,5 Prozent ein Tattoo haben. In der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen haben sogar 41 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer eine Körpermodifikation. Frauen neigen in dieser Altersgruppe mehr zum Piercing (38 Prozent) und Männer eher zum Tattoo (20 Prozent)“

http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/dok/2004/2004-2/Tattoo_27-29.pdf

Ein Tattoo sieht im Alter meist dann nicht mehr so schön aus, wenn es an ungünstigen Körperstellen ist, die im Alter sich stark verändern. Der Oberarm ist meines Erachtens bei Männern da eher kein Problem. Natürlich können Sie dann immer noch eine Entfernung in Erwägung ziehen, wenn Sie aber Familie haben wird Sie das nicht mehr großartig interessieren, da es dann keine wirkliche Notwendigkeit gibt, oder? Offen halten können Sie die Entfernung des Tattoos. Ich hoffe das hilft Ihnen, weniger darüber nachzudenken.

Viele Grüße

Stefan Brunhoeber
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dropkick
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Anmeldungsdatum: 26.08.2008
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: Di Jun 23, 2009 9:01 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herr Brunhoeber,

erneut vielen Dank für Ihre Antwort und die beigefügte Statistik.

Zum einen fühlt man sich natürlich nicht alleine, wenn man die Zahlen liest, zum anderen kommen mir dann aber direkt Gedanken, dass viele Personen ihre Tätowierungen an Stellen haben, die man nur sieht, wenn sie nackt sind und sie diese nicht zeigen "müssen", wenn sie sich normal kleiden, sprich: im Sommer mit einem T-Shirt. Habe leider die feste Überzeugung, dass mich eine Tätowierung an einer anderen Stelle bzw. ein kleineres Tattoo, welches jedes T-Shirt bedeckt, nicht stören würde. Bin heute in die Stadt gegangen und man konnte mein Tattoo unter meinem T-Shirt sehen...als ich dann in die ersten Schaufenster geschaut habe und in der Spiegelung nur mein Tattoo gesehen habe, hatte ich direkt schlechte Laune. Habe das Gefühl, dass man dann nur das Tattoo sieht und würde mir wünschen, dass ich es nicht zu krass, sondern ästhetisch finde, wenn ich es sehe.

Zitat:
Ein Tattoo sieht im Alter meist dann nicht mehr so schön aus, wenn es an ungünstigen Körperstellen ist, die im Alter sich stark verändern. Der Oberarm ist meines Erachtens bei Männern da eher kein Problem. Natürlich können Sie dann immer noch eine Entfernung in Erwägung ziehen, wenn Sie aber Familie haben wird Sie das nicht mehr großartig interessieren, da es dann keine wirkliche Notwendigkeit gibt, oder? Offen halten können Sie die Entfernung des Tattoos. Ich hoffe das hilft Ihnen, weniger darüber nachzudenken.


Die Stelle am Oberarm finde ich unter diesen Gesichtspunkten natürlich auch passend. Auf der anderen Seite stört mich wie gesagt die Sichtbarkeit des Tattoos bei den meisten T-Shirts. Habe in diesem Zusammenhang auch schon über eine Teilentfernung nachgedacht, welche sich bei diesem Motiv anbietet, jedoch besteht auch dort natürlich das bekannte Risiko.

Zum Thema Familie und Tattoo...auch wenn ich natürlich weiß, dass viele Familienväter tätowiert sind, kann ich mich auch in dieser evtl. späteren Rolle schlecht mit einer Tätowierung identifizieren. Mir gehen dann z.B. Gedanken durch den Kopf, dass Eltern anderer Kinder Vorurteile haben und meinen Kindern diese Tätowierung unangenehm ist.

Bitte entschuldigen Sie die stetige Auflistung von Befürchtungen, die für viele Personen nicht verständlich sind. Ich bemühe mich wirklich, Ihre Antworten zu verinnerlichen und an mir mit den entsprechenden Übungen zu arbeiten.
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Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
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Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 916
Wohnort: Sankt Augustin

BeitragVerfasst am: Mi Jun 24, 2009 6:12 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Sie müssen sich eins klar machen: Sie sind nicht Ihr Tattoo! Und jeder der Sie so behandelt oder denkt ist oberflächlich und nicht Ihrer Zuneigung würdig. Auf die können Sie auf Gutdeutsch scheißen. Es gibt genug Menschen die Sie so mögen werden wie Sie sind. Sie können sowieso nicht mit allen gut Freund sein. Also konzentrieren Sie Ihre Energie nur auf die, die Sie so mögen wie Sie sind – mit Tattoo. Und das werden mehr als ausreichend sein. Um so viele Leute können Sie sich gar nicht kümmern.
Sie bestehen aus so vielen Komponenten und Facetten, nicht nur aus einem Tattoo. Und das werden andere Menschen erkennen.
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dropkick
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Anmeldungsdatum: 26.08.2008
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: Fr Jul 31, 2009 11:57 am    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herr Brunhoeber,

knapp einem Monat nach dem letzten Beitrag möchte ich mich nochmal bei Ihnen melden.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir Ihre Worte und Aussagen sehr geholfen habe. Viele Befürchtungen und Ängste bezüglich meiner Tätowierung haben sich reduziert und ich denke, dass ich ein Stück weit lockerer mit der ganzen Sache umgehe. Dazu habe ich auch die ersten Schritte bei den Expositionsübungen gemacht und gemerkt, dass ich mir eigentlich keine Gedanken machen muss. Trotzdem sind diese Übungen und Erfahrungen natürlich noch weiter ausbaubar und ich muss mich noch mehr trauen.

Heute bzw. gerade kam jedoch ein Punkt, der mich wieder zurückgeworfen hat und da mir Ihre Aussagen zu meinen Befürchtungen und meiner Problematik immer sehr geholfen haben, möchte ich das Ganze kurz darstellen:
Ich bin zur Zeit auf Jobsuche und dabei geht es um Jobs mit Kundenkontakt. Nun hatte ich immer in meinem Kopf, dass es ja kein Problem sei, wenn ich ein langärmliges Hemd trage und auch sie hatten ja darauf hingewiesen. Als ich jedoch heute mein neues Hemd (fliederfarben) angezogen habe, konnte ich feststellen, dass man das Tattoo durch das Hemd sieht. Normal trage ich ein T-Shirt unter einem Hemd, aber ein Teil schaut unter dem T-Shirt hervor (wobei ich es dann natürlich wieder übertrieben habe und den Stoff so an die Haut gedrückt habe, dass man es durchscheinen sieht). Dieses Erlebnis löste direkt Panik bei mir aus, im Internet wurde mir dieses Problem zum Teil noch bestätigt und schon habe ich das Gefühl, dass um Tage und Wochen zurückgeworfen worden bin. Habe jetzt schon Angst davor, selbst wenn ich ein langärmliges Hemd trage, zur Arbeit zu gehen und meine eigentliche Vorfreude auf einen neuen Job ist dahin.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir einen Tipp geben, wie ich mit diesem Rückfall umgehen kann. Wie sehen Sie zudem die von mir festgestellte Problematik?

Vielen Dank im Voraus!
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