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Ist das überhaupt Dysmorphophobie!?
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nicky20
alter Hase


Anmeldungsdatum: 14.09.2006
Beiträge: 1213

BeitragVerfasst am: Mi Mai 20, 2009 5:14 pm    Titel: Ist das überhaupt Dysmorphophobie!? Antworten mit Zitat

Sehr geehrter Herr Brunhoeber,

darf ich Sie etwas fragen, was mir jetzt schon lange im Kopf herum geistert?
Im Forum fiel mir auf, dass schöne Fotos von den Betreffenden als hässlich beurteilt werden... (meistens) ... also ein Foto auf denen sie gut aussieht wird von derjenigen Person als hässlich beurteilt...
bei mir war das anders: schöne Fotos fand ich immer schön, und welche Fotos ich unattraktiv fand, deckte sich mit der Wahrnehmung anderer...

Ist es überhaupt eine Dysmorphophobie, wenn man eine klare Grundlage hat, einen Makel hässlich zu finden?! Auf Fotos, im Spiegel... wo auch andere dies hässlich finden?
auch wenn es sein kann, dass diese Grundlage Fotos und Spiegel einen Makel objektiv zeigen, der aber in Wirklichkeit nicht da ist?

Damit meine ich zum Beispiel: immer wenn man sich selbst betrachtet zieht man den Kopf zurück und hat kaum Kinn mehr---> also findet man sein Kinn hässlich, weils auf Fotos und Spiegel halt tatsächlich so aussieht ---> in Wirklichkeit aber zieht diese Person eigentlich nie den Kopf zurück und hat ein schönes Kinn, nur weiss sie das nicht, weil sie das halt noch nie so sah....

Oder bei mir das Lachen:
immer vor dem Spiegel und Fotos lachte ich extrem verzerrt---> fand es also hässlich, andere fanden es so, wie auf Fotos und vor dem Spiegel, auch hässlich----> nur in Wirklichkeit lachte ich nie so und es ist eigentlich ganz ok... nur wusste ich es nicht, und andere kannten die Grundlage Fotos und Spiegel nicht für die Einschätzung meines Lachens.

Also ist es überhaupt Dysmorphophobie? Da es ja keine Einbildung war, die Grundlagen um sich hässlich zu finden, waren klar und objektiv vorhanden... auch wenn die Fotos falsch interpretiert wurden, nämlich dass man immer kein Kinn hätte bzw. immer so hässlich lachen würde. Oder dass man immer schlecht aussehen würde, obwohl ein Mobbing-Gesichtsausdruck und extrem schlechtes Styling zu schlechtem Aussehen führen...

Die vermehrte Beschäftigung mit dem Aussehen ist ja in diesem Fall nicht dysmorphophobisch, sondern echt der Versuch, das objektiv hässlich wahrgenommene (wenn auch nicht richtig gedeutete) Aussehen zu verändern oder zu akzeptieren. Man hat sich also keine Hässlichkeit eingebildet, sondern schon richtig gesehen!!!

Ist dies denn überhaupt Dysmorphophobie oder gar nicht eine psychische Krankheit?

LG, Nicky20
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Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 916
Wohnort: Sankt Augustin

BeitragVerfasst am: Mi Mai 20, 2009 5:54 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Nicky,

Zitat:
Ist es überhaupt eine Dysmorphophobie, wenn man eine klare Grundlage hat, einen Makel hässlich zu finden?! Auf Fotos, im Spiegel... wo auch andere dies hässlich finden?
auch wenn es sein kann, dass diese Grundlage Fotos und Spiegel einen Makel objektiv zeigen, der aber in Wirklichkeit nicht da ist?


Was ist denn eine klare Grundlage einen Makel hässlich zu finden? Im Buch habe ich ja beschrieben, dass es so etwas wie eine verzerrte Wahrnehmung gibt, sowohl durch top-down gesteuerte Wahrnehmungsprozesse als auch durch selektive Aufmerksamkeitsprozesse.
Wahrnehmung ist immer subjektiv, da wir immer das was wir sehen auch gleichzeitig bewerten.

Zitat:
Damit meine ich zum Beispiel: immer wenn man sich selbst betrachtet zieht man den Kopf zurück und hat kaum Kinn mehr---> also findet man sein Kinn hässlich, weils auf Fotos und Spiegel halt tatsächlich so aussieht ---> in Wirklichkeit aber zieht diese Person eigentlich nie den Kopf zurück und hat ein schönes Kinn, nur weiss sie das nicht, weil sie das halt noch nie so sah....


Zitat:
Oder bei mir das Lachen:
immer vor dem Spiegel und Fotos lachte ich extrem verzerrt---> fand es also hässlich, andere fanden es so, wie auf Fotos und vor dem Spiegel, auch hässlich----> nur in Wirklichkeit lachte ich nie so und es ist eigentlich ganz ok... nur wusste ich es nicht, und andere kannten die Grundlage Fotos und Spiegel nicht für die Einschätzung meines Lachens.


Das beeinflusst sicherlich auch das Bild von sich selbst.
In Bezug auf die Definition was eine KDS ist, würde ich zwei Punkten die höchste Priorität geben:
1. Übermäßige Beschäftigung mit dem eigenen Äußeren (mehr als 1 Stunde täglich)
2. Leiden unter dem Aussehen bzw. der übermäßigen Beschäftigung
Von daher würde ich mir nicht Gedanken darüber machen, ob es nun KDS ist oder nicht, da es ändert ja gar nichts an Ihrem Problem. Es ist so wie es ist, egal welchen Namen man ihm geben würde.

Übrigen weiß ich ja von Ihnen, dass das Lachen nur ein Problem war, sie hatten sich ja auch über andere Körperteile Sorgen gemacht, die Sorge hat sich immer wieder verlagert. Von daher macht es auch keinen großen Sinn zu überlegen, was mit dem einzelnen Körperteil ist, sonder eher was die Störung aufrecht erhält.

Viele Grüße

Stefan Brunhoeber
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nicky20
alter Hase


Anmeldungsdatum: 14.09.2006
Beiträge: 1213

BeitragVerfasst am: Mi Mai 20, 2009 7:46 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
dass es so etwas wie eine verzerrte Wahrnehmung gibt, sowohl durch top-down gesteuerte Wahrnehmungsprozesse als auch durch selektive Aufmerksamkeitsprozesse.
Wahrnehmung ist immer subjektiv, da wir immer das was wir sehen auch gleichzeitig bewerten.

Was ich meinte ist, dass in genanntem Fall die Wahrnehmung eben NICHT sooooo verzerrt ist. Dass man schon "richtig" sieht, und sich nichts einbildet.

Es macht für mich einen grossen Unterschied: denn wenn ich mir nie was eingebildet habe, wenn ich mich nie so verzerrt wahrgenommen habe, dann kann ich mich jetzt auf meine Augen und meinen Eindruck recht gut verlassen. Natürlich kann ich auch jetzt mein Aussehen nicht 100% einschätzen, oder wissen wie ich denn genau von anderen gesehen werde, aber ich kann meinen Augen trauen und meiner Wahrnehmung von mir auf Fotos.

Das Lachen, das ich damals im Spiegel und auf Fotos sah war tatsächlich nicht schön. Objektiv, in den Augen der meisten Leute, soweit man das Aussehen objektiv bewerten kann und verständlich, dass es belastet. Es war halt keine Einbildung, keine verzerrte Wahrnehmung, und damit eine andere Art von "Störung" als bei einer verzerrten Wahrnehmung. Die Wahrnehmung war klar. Das ist irgendwie nicht die KDS, welche Sie in Ihrem Buch ansprechen?

Die "Störung" besteht dann nicht in einer gestörten Wahrnehmung und Bewertung, sondern an gestörten Informationsgrundlagen... oder vllt besteht bei mir jetzt mittlerweile die Störung in einer intrusiven lähmenden Angst, wenn ich nur ans Aussehen denke, aber nicht an grossen Wahrnehmungsverzerrungen.......

Das ist dann etwas ganz anderes als eine verzerrte Wahrnehmung und Bewertung des Aussehens, und muss dann auch entsprechend anders behandelt werden, oder? Also gar nicht so wie in Ihrem Buch beschrieben, ausser Dinge die sich überschneiden?

Herzliche Grüsse

nicky20
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Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 916
Wohnort: Sankt Augustin

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 6:19 am    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nicky,

Zitat:
Es macht für mich einen grossen Unterschied: denn wenn ich mir nie was eingebildet habe, wenn ich mich nie so verzerrt wahrgenommen habe, dann kann ich mich jetzt auf meine Augen und meinen Eindruck recht gut verlassen. Natürlich kann ich auch jetzt mein Aussehen nicht 100% einschätzen, oder wissen wie ich denn genau von anderen gesehen werde, aber ich kann meinen Augen trauen und meiner Wahrnehmung von mir auf Fotos.


O.K., dann verstehe ich Sie jetzt besser. Und dennoch glaube ich das Ihr Denkfehler der ist, dass sie versuchen zu unterscheiden, ob der Makel real ist oder nicht. Das ist meines Erachtens nicht das Problem, sondern die übermäßige Beschäftigung mit dem Aussehen.

Ich mache mal folgendes Beispiel (ich weiß jetzt gerade nicht, ob ich es im Buch erwähnt habe oder nicht):
Zwei Männer haben beide das gleiche Auto. Der eine fährt das Auto alle zwei Monate in die Waschstraße, der andere putz, poliert, saugt und schraubt an dem Auto jeden Tag vier Stunden herum. Für wen glauben Sie ist es schlimmer, wenn an das Auto ein Kratzer kommt oder wenn ein Vogel darauf kackt?
NA klar der zweite, weil er viel mehr in sein Auto investiert und es ein wichtiger Bestandteil seines Lebens ist. Daher ist er führ Störungen wesentlich senbibler.

Oder ein anderes Beispiel:
Nehmen wir wieder zwei Männer. Der eine investiert all seine Energie in seine Karriere, er hat so gut wie keine Zeit für Freunde, Familie, Hobbys. Der andere Mann hat auch seinen Job, nebenbei aber auch eine Familie, Hobbys, einen Freundeskreis, eine ehrenamtliche Tätigkeit usw. Für wen wäre es schlimmer seinen Arbeitsplatz zu verlieren?
Für den ersten, denn für den bricht alles im Leben weg, er hat keine weiteren Säulen die ihn stützen. Alles was ihn ausgemacht hat war seine Arbeit. Darüber hat er sich identifiziert.

Wenn ich das jetzt mal auf das Aussehen übertrage: Um so mehr ich mich mit meinem Aussehen beschäftige, um so weniger Zeit habe ich für andere Dinge, über die ich mich identifizieren könnte. Das Aussehen wird zum wichtigsten Teil meiner Identität. Um so mehr ich mich mit meinem Aussehen beschäftige, um so sensibler und anfälliger werde ich wenn etwas mit meinem Äußeren nicht stimmt. Und dabei ist es egal ob es ein realer Makel ist oder nicht. Sie haben so oder so kaum andere Identitäten.

Es gibt so viele Menschen mit objektiven Makeln im Aussehen, die ein tolles, zufriedenes und glückliches Leben führen. Aus diesem Grund geht es nicht darum, ob Makel oder nicht. Es geht darum, die übermäßige Beschäftigung mit dem eigenen Äußeren zu reduzieren und gleichzeitig sich wieder neue Identitäten aufzubauen, damit das Aussehen nicht mehr den Stellenwert hat, dem Sie ihm eingeräumt haben. Sie haben sich gewissermaßen durch die übermäßige Beschäftigung selber zu dem Typen mit dem Auto gemacht, der ständig an seinem Auto rumscheuert und mehrmals täglich schaut wie es aussieht.

Von daher würde ich schon sagen, dass in den meisten Punkten genauso geht, wie im Manual beschrieben.

Viele Grüße

Stefan Brunhoeber
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cinderella
User


Anmeldungsdatum: 18.07.2008
Beiträge: 82

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 7:51 am    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Entschuldigen Sie bitte, dass ich mich einfach in diese Diskussion schleiche, aber ich habe einige Fragen.
Ich kann nicht klar nachvollziehen, wieso es keinen Unterschied machen soll, ob der Makel echt ist oder nicht. Es ist doch nicht dasselbe, wenn sich ein objektiv attraktiver Mensch auf Grund verzerrter Wahrnehmung einbildet, er sei hässlich, wie wenn sich ein Mensch mit tatsächlich bestehenden Makeln derer bewusst wird, weil er von der Außenwelt immer darauf hingewiesen wird (nicht eingebildet, sondern echt darauf hingewiesen). Daher finde ich das Beispiel mit den Autos nicht ganz passend. Auf den attraktiven Menschen trifft es ganz gut zu, aber doch nicht auf den, der erst durch negative Erfahrungen mit der Außenwelt überhaupt auf die Idee kam, unglaublich hässlich zu sein. Der hat sich sein "Hobby" doch nicht freiwillig ausgesucht und der Attraktivität den höchsten Stellenwert zugeschrieben. Vielmehr wurde ihm beigebracht, dass Attraktivität diesen Stellenwert besitzt und er ihm leider nicht gerecht wird.

Insofern finde ich auch die Erklärung mit den Identitäten problematisch. Natürlich kann man sich andere Identitäten aufbauen und seinem Leben mehr Inhalt geben - das habe ich auch größtenteils gemacht, sei es durch Engagement in Vereinen oder an Projekten an der Uni. Ich könnte auch nicht behaupten, dass ich nicht genug soziale Kontakte hätte. Aber an bestimmten Problemen, die mich so richtig fertig machen, ändert sich dadurch gar nichts, z.B. dass kein Mann ernsthaft Interesse an mir zeigt. Und an diesem Punkt spielt es doch eine gewaltige Rolle, ob ich mir die Makel nur einbilde oder nicht.

Es spielt auch eine Rolle, wenn mir Männer erzählen, dass sie zu bestimmten Frauen nur nett sind, weil jene attraktiv sind. Es spielt eine Rolle, wenn attraktive Frauen ganz leicht einen Freund finden, während sämtliche (!!!) weniger attraktive Frauen in meinem Studiengang keinen haben und die männlichen Kommilitonen über sie lachen. Es spielt eine Rolle, wenn ich bemerke, dass mir noch nie jemand gesagt hat, ich sei hübsch. Es spielt eine Rolle, wenn man mir ins Gesicht sagt, es sei für mich halt schwer, einen Freund zu finden, weil ich nicht gerade der gefragteste "Typ" bin. Bilde ich mir meine Makel nämlich nicht ein, dann kann ich gegen diesen Zustand nichts machen und muss hinnehmen, dass ich als Partner für den Großteil der Männer nicht in Frage komme. Identitäten hin oder her.

Ich bitte Sie für meinen latenten Zynismus um Verzeihung, aber mir kann niemand einreden, Attraktivität hätte nur für MICH so einen hohen Stellenwert, weil die Realität einfach dagegen spricht. Ich gebe Ihnen Recht, wenn Sie sagen, man kann auch als unattraktiver Mensch glücklich sein, aber wie das geht, habe ich noch nicht herausgefunden - ein paar neue Beschäftigungen haben mir jedenfalls nicht geholfen.
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Sternentanz
Poweruser


Anmeldungsdatum: 09.02.2009
Beiträge: 168

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 10:08 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube das daß eigene Aussehen einem egal sein muß. So das einer nicht täglich daran denkt und sich deswegen auch noch fertig macht.
Leider kämpfe ich auch noch mit meinem Aussehen und bin keinen deut besser dran als ihr, aber ich kann schon verstehen was der Psychologe uns damit sagen will.
Wir geben dem Aussehen soviel Gewicht, würden wir uns anderwertig um was anderes kümmern und dem bedeutend viel Gewicht beimessen, würde uns unser Aussehen wahrscheinlich egal werden.

Aber dem ist nicht so, und ich finde leider ist das auch keine gute Lösung.
Zum Beispiel, mein Aussehen ist mir wichtig usw..dann fange ich an mit Sport und lege meine Bedeutung da hin, dann verlagere ich die Wichtigkeit auf den Sport und das Aussehen wird nebensächlich.

Das ist aber bei mir nicht so, und bei vielen anderen wahrscheinlich auch nicht. Es gibt halt sozusagen nur den Grundsatz, das einem das Aussehen egal werden sollte, nicht so das man ungepflegt rumläuft, aber einem doch nicht mehr die Wichtigkeit gibt, die es vorher hatte.

Die Frage die ich mir aber hinbezüglich stelle ist, wenn man aber wirklich häßlich ist, und man bekommt das auch noch gesagt dann weiß ich nicht ob das wirklich eine krankhafte Einbildung ist.
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nicky20
alter Hase


Anmeldungsdatum: 14.09.2006
Beiträge: 1213

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 11:42 am    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr geehrter Herr Brunhoeber,
Ihr Beispiel mit dem Auto oder dem Job kann ich nachvollziehen.
Für das Aussehen bedeutet dies ja, dass man keinen Makel akzeptieren KANN, weil das Aussehen ja so wichtig ist und man ansonsten kaum etwas hat. Verstehe ich das richtig?

Wobei es bei mir wirklich anders war: der Makel war sehr gross und hätte meine Zukunftschancen TATSÄCHLICH negativ beeinflusst und war daher verständlicherweise sehr belastend... und ich habe mich erst mit dem Aussehen beschäftigt, NACHDEM ich auf Fotos mitbekam, dass da etwas ganz und gar unattraktiv aussieht. Von der Dynamik her war also nicht eine Beschäftigung mit dem Aussehen die Ursache dafür, dass mir das Aussehen so wichtig wurde. Sondern es wurde wichtig, da ich auf Fotos echt unattraktiv aussah und das Aussehen damit zu einem Problem wurde, für das ich keine Lösung finden konnte.
Zum Vergleich: Geld ist nicht unbedingt so wichtig. Sobald man aber kein Geld hat und fast verhungert, wird das Geld zum Problem und dann tatsächlich wichtig, sodass man nur ans Geld denkt.

Also mein jetziges Prob ist anders: ich kann kaum kleinere Makel akzeptieren, weil die sofort intrusive Todesängste auslösen, also die posttraumatische Angst dass ich dem Aussehen ausgeliefert wäre, wenn ein Makel mich total entstellen würde... hier ist doch ein Gefühl von Kontrolle gut, oder? Wobei das aber nicht der Therapie der KDS entspricht.
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Modde
alter Hase


Anmeldungsdatum: 10.01.2007
Beiträge: 974

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 11:43 am    Titel: Antworten mit Zitat

Wie soll einem das Aussehen egal werden, wenn es in unserer Gesellschaft, im täglichen Leben, im Umgang miteinander immer so wichtig ist?

Wenn man wirklich entstellt ist und darunter leidet, auch nicht aus dem Haus geht usw., gibt es dafür auch Therapie? Ist die dann ähnlich? Oder hat man dann halt einfach Pech gehabt? Eigentlich ist es doch egal, ob man wirklich hässlich ist oder sich nur so fühlt, für einen selber ist es doch Hölle jeden Tag.
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nicky20
alter Hase


Anmeldungsdatum: 14.09.2006
Beiträge: 1213

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 11:57 am    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht kann ich es mal auf den Punkt bringen:

Zum Vergleich: Geld ist nicht unbedingt so wichtig. Sobald man aber kein Geld hat und fast verhungert, wird das Geld zum Problem und dann tatsächlich wichtig, sodass man nur ans Geld denkt.

Wenn man dann therapeutisch versucht, sich nicht mehr mit dem Thema Geld zu beschäftigen, dann ist gar nicht mehr gut...

Denn das Problem ist ja, dass man halbwegs verhungert und dafür eine Lösung braucht. Man braucht also Unterstützung, Geld zu bekommen.

Dysmorphophobie hingegen wäre ungefähr so:
Man ist ein Mensch, der alles mit Geld regelt und kann sich nicht vorstellen, auch mit weniger Geld geliebt zu werden... man beschäftigt sich sehr mit dem Thema Geld und hat immer das Gefühl/die Angst nicht genug Geld zu haben, und fühlt sich als Looser, auch wenn man genug hat.
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nicky20
alter Hase


Anmeldungsdatum: 14.09.2006
Beiträge: 1213

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 12:00 pm    Titel: Antworten mit Zitat

nur hinkt der Vergleich insofern, dass man objektiv sagen kann, wieviel Geld man hat und braucht, während das beim Aussehen nicht so objektiv ist.
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Sternentanz
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Anmeldungsdatum: 09.02.2009
Beiträge: 168

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 2:09 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Tja, wie einem das Aussehen egal wird das weiß ich auch nicht, dafür ist ja eigentlich Herr. Dr. Brunhoeber da...^^.. um das klarzustellen.

Nicky du hast schon recht und ich kann deine Einstellung sehr gut nachvollziehen. Der Vergleich mitdem Geld ist dazu perfekt dargestellt.
Ich denke wenn wir uns nicht so mit anderen vergleichen würden, würde es uns besser gehen. Aber wie wir das machen sollen, weiß ich auch nicht.

Herr. Dr. Brunhoeber gibt ja Anreize, damit wir uns vorstellen können inwieweit das funktioniert. Nur den Lösungspunkt bietet er leider nicht. Mir hilfts nicht weiter, wenn ich weiß das ich mich auch durch was anderes definieren kann. Also wenn ich mich z.b über Sport definiere dann würde ich trotzdem immer noch beim Sport denken ich wäre häßlich, also wäre es somit destruktiv.

Leider kann der Psychologe das nur heilen denke. Vielleicht möchte er es aber im Forum nicht tun, sondern nur auf der persönlichen Ebene, was er ja auch nur kann. Er sieht die Menschen ja nicht. Wenn jemand wirklich häßlich ist, dann kann er das auch nicht heilen, dann ist es nämlich auch keine Einbildung in dem Sinne..
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FirstLady
alter Hase


Anmeldungsdatum: 30.03.2009
Beiträge: 677

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 2:29 pm    Titel: Antworten mit Zitat

sorry wenn ich mich da auch mal einmische. ich denk schon, dass es nen unterschied gibt bei der kds. die einen haben wirklich eine verzerrte selbstwahrnehmung.. sie bilden sich makel ein, die garnicht oder nur minimal vorhanden sind.. und die, die wirklich makel haben und darunter leiden.. von verzerrter selbstwahrnehmung kann da keine rede sein, den eine große nase zB. oder ein schiefes lachen, asymmetrie usw. kann man sich schlecht einbilden, und wie nicky sagt, müsste man das dann ja eigt auch anders therapieren, könnt ich mir vorstellen.. das ziel sollte in beiden fällen schon sein, das hier

Dipl.-Psych. S.Brunhoeber hat folgendes geschrieben::
Es geht darum, die übermäßige Beschäftigung mit dem eigenen Äußeren zu reduzieren und gleichzeitig sich wieder neue Identitäten aufzubauen, damit das Aussehen nicht mehr den Stellenwert hat, dem Sie ihm eingeräumt haben.

in den griff zu bekommen, aber beide fälle beruhen ja auf verschiedenen grundlagen.. in dem einem fall muss man lernen, sich zu akzeptieren, mit seinen makeln (von denen man weiß, dass man sie hat) bzw. mit seiner unattraktivität, im andren fall muss man lernen seine verzerrte selbstwahrnehmung in den griff zu bekommen, und das ist schon ein extrem großer unterschied, wie ich finde, auch wenns letztlich aufs gleiche ziel hinausläuft.

ich glaub auch, dass es einen unterschied macht ob die kds sich entwickelt im elternhaus, oder durch mobbing. in dem einem fall tritt dann die verzerrte selbstwahrnehmung auf, in dem andrem fall gibt man dem aussehen einen zu hohen stellenwert, ohne sich unattraktivität einzubilden. so könnte ich mir das alles vorstellen.. den mobbing trifft, zumindest im kindergarten und der schule, in den meisten fällen schon die leute, die wirklich nicht gut aussehen. die einen bekommen ständig komplimente, die anderen nicht, die einen haben ständig beziehungen, die anderen nicht, die einen wurden gemobbt, die anderen nicht.. usw. irgendeinen unterschied muss es da also geben bei der ganzen dysmogeschichte, und der wird wohl sein, dass die einen wirklich nicht gut aussehen, die anderen hingegen schon.

und da liegt es eben daran zu lernen, dass man trotz unattraktivität glücklich werden kann, dass das aussehen längst nicht so bedeutend ist, wie man meint, und dass man mit dem aussehen völlig falsche sachen in verbindung bringt, wie nicky zB. mit der todesangst.

würde mich aber wirklich mal interessieren, ob man das iwie anders therapieren müsste bzw. wie man das therapieren müsste.
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Sternentanz
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Anmeldungsdatum: 09.02.2009
Beiträge: 168

BeitragVerfasst am: Do Mai 21, 2009 5:21 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Firstlady hat schon recht. gut beschrieben. Smile

Genau davor stehen wir alle: WIE kann man das beheben um glücklicher zu sein trotz makel, trotz fehlerbehafteten Aussehen..
Ich finde wenn wir das alle wüßten, wären wir ein ganzes Stückchen weiter und deswegen wäre ich ja so begeistert wenn Dr. Brunhoeber auch wenn er dazu ein Selbsthilfebuch schreiben wird, uns hier vielleicht tipps geben würde.

Weil es bringt mir ja auch nichts, mich selbst immer im Spiegel anzugucken und zu denken: Boah bist du häßlich...Aber im Grunde ist man das nachher nicht. Dann tut man sich wahrscheinlich so lange Jahre in einem falschen Licht sehen und das finde ich so erschreckend.

Ich glaube wir sollten wie Nelson Mandela einmal sagte: das Licht in einen leuchten lassen wie es Kinder tun.
Wahrscheinlich meint er mitdem Licht die innere Ausstrahlung und die wäre wichtig nicht das Aussehen selbst.

Wenn ich häßlich bin, mich aber als schön ansehe, dann habe ich doch eine ganz andere Wirkung auf andere. Leider konnte ich das bisher nicht ausprobieren, weil ich mich eben häßlich fühle, und ich denke auch das ich häßlich bin..da kann einer noch so daher reden ich wäre es nicht.

Man hat den inneren Glauben, das man häßlich ist, und den gilt es glaube ich an der ganzen Sache zu verändern.
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Heinrich
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Anmeldungsdatum: 16.11.2006
Beiträge: 347
Wohnort: Darmstadt

BeitragVerfasst am: Fr Mai 22, 2009 8:17 am    Titel: Antworten mit Zitat

FirstLady hat folgendes geschrieben::
... mobbing trifft, zumindest im kindergarten und der schule, in den meisten fällen schon die leute, die wirklich nicht gut aussehen...

Unsinn. Gemobbt wird, wer leicht angreifbar ist und sich schlecht wehren kann. Das Aussehen kann dabei eine Rolle spielen, aber meistens gibt es einen anderen Grund - vor allem Unsicherheit -, oder die Mobber haben sich ihr Opfer rein zufällig ausgesucht. Mobbing kann sich auch gezielt gegen eine schöne Person richten, um von der eigenen Unzulänglichkeit abzulenken.
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Heinrich
Poweruser


Anmeldungsdatum: 16.11.2006
Beiträge: 347
Wohnort: Darmstadt

BeitragVerfasst am: Fr Mai 22, 2009 10:17 am    Titel: Antworten mit Zitat

Herr Brunhoeber,

wie sollten die Angehörigen (z. B. Eltern) mit einem objektiven Merkmal umgehen, das für den Betroffenen problematisch ist?

Liebe Grüße
Heinrich
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