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Dysmorphophobie - eine Wahnvorstellung?

 
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Heinrich
Poweruser


Anmeldungsdatum: 16.11.2006
Beiträge: 347
Wohnort: Darmstadt

BeitragVerfasst am: Di Mai 12, 2009 8:54 pm    Titel: Dysmorphophobie - eine Wahnvorstellung? Antworten mit Zitat

Sehr geehrter Herr Brunhoeber,

in Kapitel 5.6 und 5.7 Ihres Buches diskutieren sie die Abgrenzung der KDS von Wahnvorstellungen wie bei Schizophrenie und die Zweckmäßigkeit der Einstufung einer KDS als wahnhaft oder nicht wahnhaft. Die resultierende Diagnose ist für Betroffene bedeutend, weil sich die Behandlung, wie Medikation mit Neuroleptika, danach richtet. Sie schreiben, dass Neuroleptika bei Schizophrenie ein Mittel der Wahl, bei der KDS dagegen in der Regel wirkungslos sind.

Mehrfach habe ich von Klinikärzten gehört, die Überzeugung, hässlich zu sein, sei eine Wahnvorstellung und müsse daher mit Neuroleptika behandelt werden. Erst gestern sagte die Leiterin einer Uniklinik für Psychosomatik, Dysmorphophobie sei ganz nahe an einem Wahn, und noch vor 5 Jahren hätte man sie genauso behandelt wie Schizophrenie.

Leider sind bei der Behandlung mit Neuroleptika massive Nebenwirkungen zu erwarten. Der Einfluss auf den Glukosestoffwechsel kann über eine erhebliche Gewichtszunahme ein reales Problem mit dem Aussehen bewirken und sogar Diabetes hervorrufen.

Offensichtlich sind Ihre Kollegen hinsichtlich der Einordnung der KDS und der geeigneten Medikation nicht immer Ihrer Meinung.

Mit freundlichen Grüßen
Heinrich
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Dipl.-Psych. S.Brunhoeber
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 916
Wohnort: Sankt Augustin

BeitragVerfasst am: Mi Mai 13, 2009 5:03 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Heinrich,

Im deutschen Sprachraum gibt es bislang keine Medikamentenstudien zur Behandlung von KDS. Ich bin mir fast 100%ig sicher, dass die Ärzte, die mit Ihnen gesprochen haben, sich nicht die Mühe gemacht haben, sich alle englischsprachigen Artikel die es dazu gibt zu besorgen. Wenn die auch jede Studie die in den 100enden Zeitschriften herauskommt zu allen psychischen Störungen lesen wollten (und sich die entsprechenden Artikel besorgen wollten; dazu müssten sie ja aber Zeitschriften abonnieren oder aber die Artikel aus der Bibliothek holen bzw. per Fernleihe bestellen), wären die ganz schön beschäftigt und hätten keine Zeit mehr für Patienten.

In der Tat ist es leider aus Unwissenheit bei vielen Klinikärzten der Fall, dass das wahnhaft anmutende Symptombild der KDS falsch eingeschätzt wird. Ich würde Ihnen raten, sehr offensiv mit den Ärzten umzugehen und sie zu bitten Ihnen anzugeben, auf welche Literaturquellen die sich stützen. Fragen Sie die mal etwas genauer zu dem Symptombild der KDS und deren Hintergründen und Ursachen. Die werden sehr schnell ins schwimmen geraten. Die haben nämlich kein fundiertes Wissen in der Hinterhand. Alle bislang veröffentlichten Studien zur Behandlung der KDS zeigen das eine neuroleptische Behandlung der KDS nicht hilft. Der umfangreichste Artikel ist von Katherine Phillips veröffentlicht worden, wo meines Erachtens alles zur medikamentösen Behandlung drin steht. Bestellen Sie sich doch diesen Artikel und nehmen sie in mit zu den Ärzten, damit die mal was für ihr Fachwissen tun. Der Artikel lautet:

Treating body dysmorphic disorder with medication: Evidence, misconceptions, and a suggested approach

Ich würde einfach sehr konfrontativ mit den Ärzten umgehen und sie fragen, wie sie eine Magersucht medikamentös behandeln würden. (Die Behandlungsleitlinien sagen das keine Medikation erfolgreich bei Anorexie ist). Fragen Sie die Ärzte warum sie die nicht auch mit Neuroleptika behandeln. Die haben doch auch teilweise die wahnhafte Überzeugung zu dick zu sein. Warum helfen denn da keine Neuroleptika? Das sollen die Ihnen mal erklären. Und wenn die dann etwas von Körperschemastörung sagen, dann sollten Sie argumentieren, ob eine KDS denn nicht auch eine Körperschemastörung sein könnte.

Sie merken ich bin etwas aggressiv in meiner Formulierung, da mich solche Falschbehandlungen sehr aufregen, vor allem wenn die Ärzte behaupten sie würden das Richtige tun.

Eigentlich müsste man die Ärzte anzeigen dürfen wegen Falschbehandlung, da diese sich nicht informieren.

Viele Grüße

Stefan Brunhoeber
_________________
There is only one way of life
and that´s your own.
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nicky20
alter Hase


Anmeldungsdatum: 14.09.2006
Beiträge: 1213

BeitragVerfasst am: Mi Mai 13, 2009 8:01 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ihre Aggressivität hält sich noch in Grenzen! Very Happy Very Happy Very Happy Twisted Evil
Heinrich, eigentlich könntest du ja das Therapiemanual mitbringen und verlangen, dass sie entweder so therapieren oder eine kognitive Verhaltenstherapie organisieren. Die Niveau-Unterschiede bei Psychotherapeuten sind beträchtlich.
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Heinrich
Poweruser


Anmeldungsdatum: 16.11.2006
Beiträge: 347
Wohnort: Darmstadt

BeitragVerfasst am: Mi Mai 13, 2009 9:35 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herr Brunhoeber,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Den Artikel von Katherine Phillips werde ich mir besorgen.

Meine Frau und ich hatten schon mehrfach den Eindruck, dass es bei Ärzten und Therapeuten mit dem Wissen über Dysmorphophobie schlecht bestellt ist. Es hat schon heftige Diskussionen gegeben - leider nicht so gut fundiert wie von Ihnen vorgeschlagen. Einmal habe ich in diesem Forum eine Umfrage geschrieben, um eine unsinnige Behauptung einer Ärztin zu widerlegen, die uns überzeugen wollte, bei unsererer Tochter könne keine KDS vorliegen. Wenn noch nicht mal die Symptomatik bekannt ist, wie soll dann eine richtige Behandlung erfolgen? Bei der Entlassung habe ich in den Fragebogen zur Zufriedenheit mit der Behandlung geschrieben, dass die Klinik in Punkto KDS noch viel dazulernen muss. - Ein Psychologe hat mir später dazu erklärt, dass unerfahrene Ärzte sich scheuen, eine Diagnose zu stellen, mit der sie sich nicht gut auskennen. Lieber behandeln sie die ihnen aus ihrer täglichen Praxis bekannten Störungsbilder mit den geübten Verfahren. (Das Hobby des Chefarzts kommt natürlich auch nicht zu kurz.) Bei einer Patientin, die viel Zeit mit Körperpflege und Kosmetik verbringt, wird eine Zwangsstörung behandelt. Die Patientin lernt dadurch, mit weniger Zeit zur Körperpflege auszukommen. An der Überzeugung, zu wenig getan zu haben, um akzeptabel auszusehen, ändert sich kaum etwas.

Auf die Idee mit der Frage zur Magersucht bin ich bei der Diskussion mit der Klinikchefin selbst gekommen. Die Antwort war, die Magersüchtigen hätten keine Wahnvorstellungen. Sie wüssten genau, dass sie zu wenig wiegen, aber sie fühlten sich zu dick.

Viele Grüße
Heinrich
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Heinrich
Poweruser


Anmeldungsdatum: 16.11.2006
Beiträge: 347
Wohnort: Darmstadt

BeitragVerfasst am: Mi Mai 13, 2009 9:36 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herr Brunhoeber,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Den Artikel von Katherine Phillips werde ich mir besorgen.

Meine Frau und ich hatten schon mehrfach den Eindruck, dass es bei Ärzten und Therapeuten mit dem Wissen über Dysmorphophobie schlecht bestellt ist. Es hat schon heftige Diskussionen gegeben - leider nicht so gut fundiert wie von Ihnen vorgeschlagen. Einmal habe ich in diesem Forum eine Umfrage geschrieben, um eine unsinnige Behauptung einer Ärztin zu widerlegen, die uns überzeugen wollte, bei unsererer Tochter könne keine KDS vorliegen. Wenn noch nicht mal die Symptomatik bekannt ist, wie soll dann eine richtige Behandlung erfolgen? Bei der Entlassung habe ich in den Fragebogen zur Zufriedenheit mit der Behandlung geschrieben, dass die Klinik in Punkto KDS noch viel dazulernen muss. - Ein Psychologe hat mir später dazu erklärt, dass unerfahrene Ärzte sich scheuen, eine Diagnose zu stellen, mit der sie sich nicht gut auskennen. Lieber behandeln sie die ihnen aus ihrer täglichen Praxis bekannten Störungsbilder mit den geübten Verfahren. (Das Hobby des Chefarzts kommt natürlich auch nicht zu kurz.) Bei einer Patientin, die viel Zeit mit Körperpflege und Kosmetik verbringt, wird eine Zwangsstörung behandelt. Die Patientin lernt dadurch, mit weniger Zeit zur Körperpflege auszukommen. An der Überzeugung, zu wenig getan zu haben, um akzeptabel auszusehen, ändert sich kaum etwas.

Auf die Idee mit der Frage zur Magersucht bin ich bei der Diskussion mit der Klinikchefin selbst gekommen. Die Antwort war, die Magersüchtigen hätten keine Wahnvorstellungen. Sie wüssten genau, dass sie zu wenig wiegen, aber sie fühlten sich zu dick.

Viele Grüße
Heinrich
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